Cizre Schwere Kämpfe in Cizre

Menschen in den Trümmern der kurdischen Stadt Diyarbakir nach einem Angriff des Militärs.
Menschen in den Trümmern der kurdischen Stadt Diyarbakir nach einem Angriff des Militärs. © Foto: dpa
Cizre / GERD HÖHLER 09.02.2016
Die türkische Armee geht entschieden gegen die PKK und andere Terrororganisationen vor. Die Stadt Cizre ist fast vollständig zerstört, Menschenrechtsorganisationen sprechen von mehr als 200 zivilen Opfern.

Die türkische Kurdenregion kommt nicht zur Ruhe. In der südostanatolischen Stadt Cizre seien in der Nacht zum Montag bei einem Angriff des Militärs auf ein Gebäude, in dem sich etwa 70 Rebellen der verbotenen Guerillaorganisation PKK verschanzt hatten, 60 Menschen getötet worden, berichtete zunächst das Staatsfernsehen TRT. Der Sender zog die Meldung aber später zurück. Die Armee teilte mit, zehn Rebellen seien "eliminiert" worden. Nach Angaben der Streitkräfte wurden bei der Offensive gegen die PKK, die im Dezember begann, bisher 733 PKK-Kämpfer getötet. Die eigenen Verluste beziffert die Armee seit dem Ende der Waffenruhe im Sommer 2015 auf mehr als 250 gefallene Soldaten. Türkische Menschenrechtsorganisationen sprechen außerdem von über 200 zivilen Opfern.

Wie schon in den 1990er Jahren, auf dem damaligen Höhepunkt des Kurdenkrieges, ist die PKK-Hochburg Cizre auch jetzt ein Brennpunkt der Kämpfe. Nach Angaben von Innenminister Efkan Ala hat die PKK die Waffenruhe dazu genutzt, in Cizre und anderen Städten riesige Waffenarsenale anzulegen.

Nach den schweren Gefechten der vergangenen Wochen ist Cizre in manchen Stadtteilen weitgehend zerstört. Von den vormals 120.000 Einwohnern haben 100.000 die Stadt verlassen. Ein ähnliches Bild der Zerstörung bietet sich in Sur, einem Altstadtviertel der Kurdenmetropole Diyarbakir. Hier meldete die Armee gestern acht getötete Rebellen. Informationen, die aus den umkämpften Städten nach außen dringen, sind kaum zu überprüfen, da die Behörden über zahlreiche Ortschaften und Stadtteile in der Kurdenregion Ausgangssperren verhängt haben. Unabhängige Beobachter haben keinen Zugang mehr. Medien sind auf Verlautbarungen der Regierung und der Streitkräfte sowie auf Darstellungen kurdischer Quellen wie der PKK und der pro-kurdischen Partei HDP angewiesen.

Die türkische Regierung hatte kürzlich ein baldiges Ende der Militäroperation angekündigt. Zu merken ist davon bisher nichts, wie die gestrigen Kämpfe zeigen. Erst Ende vergangener Woche flog die türkische Luftwaffe mit rund 40 Kampfflugzeugen Angriffe auf PKK-Lager im Nordirak, aber auch auf Stellungen der Rebellen in der Südostprovinz Hakkari, die an den Nordirak und den Iran grenzt.

Am vergangenen Freitag hatte Premierminister Ahmet Davutoglu bei einem Besuch in der Kurdenprovinz Mardin einen Zehn-Punkte-Plan zur Kurdenpolitik vorgestellt. Der Regierungschef kündigte einen entschlossenen Kampf gegen die PKK und andere Terrororganisationen an und stellte staatliche Hilfen für den Wiederaufbau der zerstörten Ortschaften, Zuschüsse und günstige Kredite für geschädigte Geschäftsleute und ein Förderprogramm für die örtliche Wirtschaft in Aussicht. "Wir werden alle Wunden heilen", versprach er. Auf die kurdischen Forderungen nach mehr Selbstverwaltung ging er nicht ein.