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Die Schweizer haben sich in einer Volksabstimmung für die Legalisierung der Präimplantationsdiagnostik (PID) ausgesprochen.

Die Schweizer haben sich in einer Volksabstimmung für die Legalisierung der Präimplantationsdiagnostik (PID) ausgesprochen. Laut Hochrechnungen stimmten mehr als 60 Prozent der Stimmbürger für eine entsprechende Verfassungsänderung. Mit der Entscheidung schließen die Schweizer bei der Fortpflanzungsmedizin zu den meisten europäischen Staaten auf.

Die Einführung einer nationalen Erbschaftssteuer lehnten die Schweizer mit klarer Mehrheit ab. Damit bleiben Millionen-Erbschaften für direkte Nachkommen in der Schweiz weitgehend steuerfrei.

PID: Umstrittene Untersuchung

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) ist eine vorgeburtliche Untersuchungsmethode. Dabei werden im Rahmen der Reagenzglas-Befruchtung - der In-vitro-Fertilisation - befruchtete Eizellen außerhalb des Mutterleibs auf genetische Fehler untersucht und geschädigte Embryonen möglicherweise vernichtet. Das erste im Reagenzglas gezeugte Kind, das einer solchen Diagnose unterzogen worden war, kam 1990 in den USA zur Welt.

In Deutschland galt die PID bis 2010 als verboten. Anfang Juli 2010 entschied jedoch der Bundesgerichtshof, dass Gentests an Embryonen unter bestimmten Voraussetzungen nicht dem Embryonenschutzgesetz widersprechen, also nicht verboten sind. 2011 verabschiedete der Bundestag ein Gesetz, das eine begrenzte Zulassung der PID ermöglicht. Danach ist die Methode in Fällen zulässig, "in denen ein oder beide Elternteile die Veranlagung für eine schwerwiegende Erbkrankheit in sich tragen oder mit einer Tot- oder Fehlgeburt zu rechnen ist".

Abgelehnt wird die PID unter anderen von der katholischen Kirche und Teilen der evangelischen Kirche. Sie warnen, dass PID zu einer Selektion zwischen "lebenswertem" und "lebensunwertem" Leben führt. Sie befürchten zugleich, dass die Methode zu einer sinkenden Bereitschaft der Gesellschaft führt, behinderte Kinder zu akzeptieren. Sie erwarten außerdem, dass in Zukunft mit Hilfe der neuen Technik nicht nur Krankheiten erkannt, sondern Embryonen auch gezielt manipuliert werden könnten. Befürworter kritisieren, deutsches Recht erlaube weithin Schwangerschaftsabbrüche bei Behinderung eines Kindes, verbiete aber im weit früheren Stadium durchgeführte PID.