Ganze Tischgesellschaften kommunizieren jetzt stumm, gebeugt über WhatsApp, Instagram oder Twitter, man stößt nicht an, nippt nur, ab und zu hebt jemand die Augen und blickt versonnen lächelnd an den anderen vorbei. Hinterher landet dann ein Foto auf Facebook, auf dem drei, vier junge Männer an einem Kneipentisch über ihren iPhones brüten. Die traurig-ironische Unterschrift: "Ein erfüllter Abend."

Moskau vergöttert Designertechnik und protzt damit. Nirgendwo ballen sich mehr iPhones, zumindest ihre chinesischen Kopien. Und sie zu nutzen, ist hier billig. Knapp sechs Euro im Monat kostet bei Moskaus Mobilfunkanbietern ein Vertrag, der drei Gigabyte Datenvolumen bereitstellt, 100 SMS und 400 Freiminuten telefonieren.

Aber Anrufen gilt als altmodisch, man pflegt Freundschaften lieber per Smartphone mit Fotos, Posts und Likes. Die Moskauer sind süchtig nach Internet-Sozialportalen, in denen man sich so wunderbar präsentieren und bewundern kann. Und so wenig sie der Mobilfunk kostet: Sie lieben alles, was umsonst ist. Kostenloses Wlan aber findet sich außer in der Metro vor allem in Kneipen und Cafés, also dort, wo man sich eigentlich trifft, um leibhaftige Gespräche zu führen.

Miteinander reden? Es gibt Freunde und Kollegen, mit denen verabredet man sich besser im halben Dutzend. Dann ist die Chance größer, dass zumindest einer die Muße hat, offline ein Gespräch zu führen. Und auch dieses Gespräch kann sehr schnell enden. Nur beim Autofahren bedarf es beider Augen und zumindest einer Hand für nicht virtuelle Angelegenheiten. Da nutzen die Hauptstadtrussen ihr Smartphone vorwiegend für den eigentlichen Zweck: Telefonieren. Das ist zwar auch in Russland verboten, aber junge Moskauer schert das wenig.