Berlin/Ulm Schavan auf der Kippe

Berlin/Ulm / DPA/HÖ 07.02.2013
Bundesbildungsministerin Annette Schavan hält trotz der Aberkennung ihres Doktortitels am Amt fest. Doch der Druck auf die CDU-Politikerin wächst.

Forschungsministerin Annette Schavan muss um ihr Amt bangen, nachdem ihr vom Fakultätsrat der Universität Düsseldorf der Doktortitel entzogen wurde. Schavan machte auf ihrer Südafrikareise in Johannesburg erneut deutlich, dass sie vor Gericht um den Titel kämpfen will. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe "volles Vertrauen" in Schavan, versicherte Regierungssprecher Steffen Seibert. Zugleich vermied er ein ausdrückliches Bekenntnis zum Verbleib Schavans im Amt. Nach Schavans Rückkehr am Freitag werde "Gelegenheit sein, in Ruhe miteinander zu reden".

Die Opposition forderte Schavans Rücktritt. "Geschummelt ist geschummelt", sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin sagte: "Bei allem Verständnis für die menschliche Härte dieser Entscheidung: Eine Wissenschaftsministerin, die wegen systematischer und vorsätzlicher Täuschung des Plagiats überführt wird und der daraufhin ihre Promotion aberkannt wird, ist nicht mehr tragbar." Linke-Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn sagte: "Frau Schavan sollte ihre Weigerung zurückzutreten überdenken."

Zurückhaltend äußerte sich SPD-Chef Sigmar Gabriel im Anschluss an eine Veranstaltung unserer Zeitung in Ulm. Er respektiere die Entscheidung der Universität. Doch die Sache tue ihm leid, weil er Schavan persönlich sehr schätze.

Für den Deutschen Hochschulverband ist es nach den Worten seines Präsidenten Bernhard Kempen "sehr schwer vorstellbar", dass Schavan im Amt bleibt. Sie sollte die Entscheidung der Universität "zunächst als Faktum" akzeptieren, sagte er. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es klug wäre, unter diesen Umständen weiter im Amt zu bleiben." Der Verband vertritt 27 000 Universitäts-Professoren.

Karl Joachim Ebeling, Präsident der Universität Ulm, sprach dagegen von einem "Armutszeugnis für die Düsseldorfer Fakultät". Es sei richtig, dass die Ulmer Bundestagsabgeordnete dagegen vorgehe.

Sprecher der CDU Baden-Württemberg und des Ulmer CDU-Kreisverbands versicherten der Ministerin "volle Unterstützung". Die Wissenschaftsministerin des Landes, Theresia Bauer (Grüne) sieht ihre Amtskollegin dagegen "im Amt und in ihrer Autorität schwer beschädigt".

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