Porträt Sachsen: Ministerpräsident Kretschmer in Nöten

Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen.
Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen. © Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa
Berlin / Ellen Hasenkamp 28.08.2018

Im Herbst 2017 erlebte Michael Kretschmer die größte Niederlage seines Lebens. Und im selben Herbst machte Michael Kretschmer den größten Karriereschritt seines Lebens. Im kommenden Herbst wiederum steht der 43-Jährige vor der Herausforderung seines Lebens: Als Ministerpräsident soll er seine Partei bei der sächsischen Landtagswahl nicht nur in einem schwierigen Umfeld zum Sieg führen, Kretschmer soll auch den Weg finden, wie die AfD geschlagen werden kann. Ein Desaster in einen Triumph verwandeln, das Kunststück  soll der gelernte Büroinformationselektroniker und Wirtschaftsingenieur am 1. September 2019 wiederholen.

Auch persönlich dürfte Kretschmer mit den Rechtspopulisten noch eine Rechnung offen haben: Bei der Bundestagwahl vor knapp einem Jahr verlor er seinen Wahlkreis – und damit seinen Job als Abgeordneter in Berlin. Der schwarze Kretschmer mit den roten Haaren erlebte sozusagen sein blaues Wunder – gegen einen bis dahin eher farblosen Malermeister der AfD. Kretschmer war nicht irgendein Bundestagsmitglied; er hatte als stellvertretender Fraktionschef einen wichtigen Posten und Einfluss in Berlin.

Zuweilen zu viel Kampfgeist

Ironischerweise hievte das starke Abschneiden der AfD Kretschmer dann aber auf den Posten des Ministerpräsidenten. Amtsinhaber Stanislaw Tillich, der in der Auseinandersetzung mit „Wutbürgern“ und Pegida unglücklich agiert hatte, zog sich zurück, nachdem seine CDU in Sachsen knapp von der AfD geschlagen worden war. Zum Nachfolger bestimmte er Kretschmer, der trotz der Niederlage als Kämpfer und Macher gilt.

Manchmal wird Kretschmer diese Kämpfernatur zum Verhängnis. Zuletzt in der Debatte um den Polizeieinsatz gegen ZDF-Reporter. Beherzt, aber voreilig warf sich der Landesvater vor seine Beamten mit dem Tweet: „Die einzigen Personen, die in diesem Video seriös auftreten, sind Polizisten.“ Plötzlich stand wieder die Frage nach dem Sonderfall Sachsen im Raum. Eine Frage, von der Kretschmer wegkommen will. Sein Bundesland bewirbt er  gerne mit Schlagworten wie „innovatives Industrieland“ oder „Heimat für Weltmarktführer“.

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