Ein Mängelbericht zur Sicherheit im unterirdischen Bahnhof sorgt bei Landesregierung und Stadt Stuttgart für Aufregung. Nach der Expertise eines Schweizer Unternehmens könnten im Brandfall Passagiere in einer Massenpanik verletzt werden, Rauchgasvergiftungen erleiden und durch zu lange Fluchtwege gefährdet werden.

Die Firma Gruner AG kommt zum Schluss, es liege "kein funktions- und genehmigungsfähiges Konzept für Brandschutz, Sicherheit und Entrauchung" im Tiefbahnhof und den Tunnelstrecken vor. Das Entrauchungskonzept der Bahn nehme in Kauf, "dass flüchtende Personen kontaminierte Luft atmen". Die Bahn hatte das von einem Düsseldorfer Ingenieurbüro erstellte Konzept von der Schweizer Firma analysieren lassen.

Ein neuer Tiefschlag für die Bahn. Zuletzt waren binnen weniger Wochen dreimal IC-Züge auf dem wegen S 21 umgebauten Gleisvorfeld entgleist. Die Bahn wiegelt jedoch ab. S-21-Projektsprecher Wolfgang Dietrich sieht einen "normalen Vorgang" bei Bauten dieser Dimension. Er betont: "Brandschutz hat höchste Priorität."

Schon in der Schlichtung mahnte Moderator Heiner Geißler mehrfach vernünftige Sicherheitsstandards an. Doch es dauerte bis Anfang dieses Jahres, dass sich Vertreter von Bahn und Stuttgarter Feuerwehr regelmäßig zusammensetzen.

Auf der Agenda des Arbeitskreises sind laut Frank Knödler, Leiter der Stuttgarter Feuerwehr, noch 14 Punkte offen, darunter nicht nur das Sicherheitskonzept im Tiefbahnhof. Wichtig sei vor allem, dass im fast zehn Kilometer langen Fildertunnel eine nasse Steigleitung installiert wird, die schnelles Löschen in der Röhre ermöglicht. Mit der bislang geplanten "trockenen Leitung" könne es nicht vor einer halben Stunde "Wasser marsch" heißen.

In der Politik ist der Ärger über die bekanntgewordene Mängelliste groß. Das Land wie die Stadt Stuttgart wurden erst durch die Presse darüber informiert. Die Bahn will es auch nicht aushändigen: Die Basis der Gruner-Expertise, das Gutachten aus Düsseldorf nämlich, sei noch gar "nicht diskussionsfähig".

Sowohl Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) als auch der Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster zeigten sich verärgert und forderten unverzüglich Aufklärung von der Bahn.