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Runde Geburtstage werden gemeinhin mit einigem Aufwand begangen. Eine neue, wenn auch höhere Zahl zum Auftakt des eigenen Alters - das ist manchen Zeitgenossen ausschweifende Feiern wert.

Runde Geburtstage werden gemeinhin mit einigem Aufwand begangen. Eine neue, wenn auch höhere Zahl zum Auftakt des eigenen Alters - das ist manchen Zeitgenossen ausschweifende Feiern wert.

Die Wissenschaft präsentiert nun eine ganz neue Deutung, warum wir um den Zwanzigsten, Dreißigsten, Vierzigsten und so fort ein solches Brimborium treiben: Es ist die schiere Freude, dem Unglück am Ende eines Lebensjahrzehnts entronnen zu sein. Denn mit 29, 39, oder 49 Jahren grübeln viele Menschen besonders intensiv über ihr Leben nach. Das berichten US-Forscher in den "Proceedings" der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA. Und nicht nur das: Menschen neigten dann auch zu radikalerem Verhalten - im Positiven wie im Negativen. Sie gingen zum Beispiel häufiger fremd oder trainierten besonders intensiv für einen Marathon.

Viele Gesellschaften teilten die Lebensspanne in Zehn-Jahres-Abschnitte, schreiben Adam Alter von der New York University und Hal Hershfield von der University of California in Los Angeles. Häufig werde über "die Zwanziger" oder "die Dreißiger" eines Lebens gesprochen.

In insgesamt sechs Studien untersuchten die Forscher penibel die möglichen Zusammenhänge zwischen der Position in der Lebensdekade und dem Verhalten. Sie befragten mehr als 42 000 Erwachsene zwischen 25 und 64 Jahren aus 100 Ländern, durchforsteten Seitensprung-Portale und Datenbanken von Marathonläufen und werteten das Selbstmordregister der USA aus.

Das Ergebnis: Neun-Ender, also Menschen, die 39, 49 oder 59 Jahre alt sind, grübeln mehr, wälzen dabei häufiger negative Gedanken, gehen häufiger fremd und laufen deutlich häufiger Marathons. Sie beschäftigen sich verstärkt mit dem Altern und der Bedeutung des Lebens. Das äußere sich mit mehr Verhaltensweisen, die auf die Suche nach Bedeutung oder eine Bedeutungskrise hinweisen, fassen die Forscher ihre Folgerungen zusammen. Die Studie helfe, die psychologischen Veränderungen angesichts von nahendem Ende und frischem Beginn besser zu verstehen.