Rom Rolle der Deutschen im Vatikan verändert sich

Georg Gänswein (links) begleitet als Präfekt des Päpstlichen Hauses Papst Franziskus bei allen öffentlichen Auftritten.
Georg Gänswein (links) begleitet als Präfekt des Päpstlichen Hauses Papst Franziskus bei allen öffentlichen Auftritten. © Foto: afp
Rom / BETTINA GABBE 04.09.2014
Manch deutscher Kardinal hat unter Papst Franziskus deutlich an Einfluss im Vatikan verloren. Andere - nicht nur reformorientierte - spielen weiter eine wichtige Rolle, allerdings mit Einschränkungen.

Mit Paul Josef Cordes wird am Freitag der dienstälteste deutsche Kurienkardinal seinen 80. Geburtstag feiern. Vor knapp 35 Jahren von Papst Johannes Paul II. als Vizepräsident des päpstlichen Laienrats an den Vatikan berufen, gehörte Cordes später zu den Vertrauten von Benedikt XVI. Zur ersten Enzyklika des deutschen Pontifex trug der Kardinal, der inzwischen an die Spitze des päpstlichen Wohlfahrtsrats "Cor Unum" aufgestiegen war, entscheidende Passagen über die christliche Motivation für die Arbeit von Hilfswerken bei.

Ebenso wie der ehemalige päpstliche Chefhistoriker, Kardinal Walter Brandmüller, gehört Cordes nicht zum engeren Kreis um Papst Franziskus. Brandmüller und Cordes gelten als konservative Kirchenvertreter, die wegen ihres Beharrens auf traditionellen Lehren und Formen weniger gut dem neuen Stil im Vatikan zu entsprechen scheinen.

Konservativ oder progressiv - diese Unterscheidung erweist sich jedoch als unzureichend bei der Beantwortung der Frage, wie sich die Rolle der Deutschen im Vatikan verändert hat. Denn den ebenso als konservativ geltenden Kardinal Georg Gänswein - bis heute Privatsekretär Benedikts - beließ Franziskus im Amt des Präfekten des Päpstlichen Hauses. Gänswein begleitet ihn bei allen öffentlichen Auftritten. Die Macht eines Filters zur Außenwelt nahm ihm der im Vergleich zu Benedikt wesentlich kontaktfreudigere Franziskus allerdings.

Während die Öffentlichkeit Franziskus wegen seiner Aufrufe zu Offenheit und seines bescheidenen Auftretens auch theologisch für einen Reformer hält, bestätigte dieser den betont konservativ auftretenden obersten Glaubenshüter, Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Der vertritt etwa in der Debatte um den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen eine Position, die der des Papstes zu widersprechen scheint. Vor der für Oktober im Vatikan geplanten Bischofssynode über die Familie ließ Franziskus Kurienkardinal Walter Kasper nicht nur über einen möglichen neuen Umgang mit gescheiterten Ehen referieren. Der ehemalige Bischof von Rottenburg-Stuttgart erhielt für seinen Vorschlag, die Betroffenen in Einzelfällen zur Kommunion zuzulassen, sogar ausdrücklich Unterstützung vom Papst, während Müller eine solche Lösung für theologisch nicht vertretbar hält.

Müller soll als oberster Glaubenshüter Theologen im Boot halten, denen die Öffnung bis hin zu den bislang regelrecht verteufelten Pfingstkirchen zu weit geht. Franziskus machte indes den Münchener Erzbischof Reinhard Marx zum Koordinator der neuen vatikanischen Finanzaufsichtsbehörde. Die geplante Kurienreform soll die Arbeit der Vatikanbehörden schlanker, effektiver und transparenter gestalten. Aus seinen Erfahrungen im finanzmächtigen Erzbistum München heraus soll Marx dabei helfen. Der charismatische Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz gilt als weltoffen und profilierte sich durch Einmischung in gesellschaftliche Debatten. Theologisch gilt Marx im Vergleich zu seinem Vorvorgänger in der Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, als wesentlich weniger revolutionär.

Ein Deutscher, der in Zeiten des Umbruchs die neue Linie der Transparenz in Finanzangelegenheiten verwirklichen half, wurde bereits durch einen Franzosen ersetzt. Vatikanbankchef Ernst von Freyberg räumte vor Kurzem sein Büro. Sein Abschied wurde mit der Notwendigkeit begründet, das "Istituto per le Opere di Religione" künftig unter die Leitung eines hauptamtlichen Bankfachmanns zu stellen.

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