Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) mahnt bei der Energiewende gerade mit Blick auf die Kosten Augenmaß an. "Die Zeitachse und die Ziele für die Energiewende stehen. Aber wir müssen nachsteuern, wenn Jobs und unsere Wettbewerbsfähigkeit bedroht sein sollten." Die Bezahlbarkeit von Strom für Verbraucher und Unternehmen habe "oberste Priorität". Die SPD und Verbände meinten, die Regierung versage bei der Energiewende. Die Bundesregierung hatte im Sommer 2011 in Folge der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima die Energiewende beschlossen, die unter anderem den Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022 vorsieht.

Am Wochenende hatte bereits Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) erstmals Zweifel daran geäußert, dass sich alle Ziele der Energiewende erreichen lassen. Er stellte insbesondere die geplante Senkung des Stromverbrauchs um zehn Prozent bis zum Jahr 2020 und die Zielvorgaben bei der Elektromobilität in Frage. Die Bundesregierung betont zugleich, sie stehe fest hinter der Energiewende. Diese besteht aus Dutzenden von Einzelzielen, von denen zum Beispiel der Ausbau erneuerbarer Energien im Plan liegt.

Allerdings birgt dieser rasche Ausbau auch Konfliktpotenzial: Wenn am 15. Oktober die Höhe der dann womöglich stark steigenden Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien bekanntgegeben wird, könnten die Attacken weiter zunehmen. Diese Umlage wird von den Verbrauchern über den Strompreis bezahlt. Allerdings ist der Strompreis in den vergangenen Jahren stärker gestiegen als die Ökoenergieförderung. Die Versorger nähmen den Umlageanstieg oft als Vorwand für weitaus stärkere Erhöhungen als notwendig, lautet ein Kritikpunkt. Die Umlage errechnet sich aus Einspeisevergütung für Betreiber erneuerbarer Energieanlagen minus Erlös des daraus gewonnenen Stroms an der Strombörse. Den Verkauf hat die Politik den großen Netzbetreibern übertragen. Sie haben kein Interesse daran, für diesen Strom einen guten Preis zu erzielen, da ihn die Stromkunden per Umlage ohnehin bezahlen.

Der Fraktionsgeschäftsführer der SPD im Bundestag, Thomas Oppermann, warf Altmaier und Rösler Versagen vor. "Diese Bundesregierung verfehlt Zeitplan und Ziele der Energiewende", sagte er. Die Probleme seien längst bekannt. Die Energiewende der Koalition bestehe aus Ankündigungspolitik. "Was fehlt, sind immer noch die Taten: Der Netzausbau kommt nicht in Gang und die Integration der erneuerbaren Energien misslingt", kritisierte Oppermann. "An der Frage der Energiekosten entscheidet sich, ob Deutschland ein neues Erfolgskapitel der Industriegeschichte schreibt." Greenpeace-Energieexperte Tobias Austrup kritisierte, die Kosten würden durch eine ungleichmäßige Verteilung von der Regierung selbst getrieben. "Mangelnde Anstrengungen bei Energieeffizienz und pauschale Befreiungen für stromintensive Industrie sind die wahren Preistreiber. Hier hat Rösler seine Hausaufgaben nicht gemacht".

Hans-Joachim Reck, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) betonte: "Die Energiewende ist ein Mammutprojekt, dessen Ziele die Stadtwerke voll unterstützen. Die jetzige Diskussion ist richtig, kommt aber ein Jahr zu spät." Von Anfang an wäre eine Koordinierung in einer Hand nötig gewesen. Dazu gehörten konkrete Vorgaben, um Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit miteinander gut in Einklang zu bringen.