Terror Rizin: Sief H. plante Anschlag mit Bio-Bombe

Razzia in Köln-Chorweiler. Ermittler vor dem Haus, in dem Sief H. wohnte.
Razzia in Köln-Chorweiler. Ermittler vor dem Haus, in dem Sief H. wohnte. © Foto: Oliver Berg/dpa
Köln / Stefan Kegel 21.06.2018

Der Bombenbastler von Köln, Sief H., hat nach Erkenntnissen der Ermittler einen Angriff mit einer Biowaffe geplant – mit selbst gewonnenem Rizin aus der „Giftpflanze des Jahres 2018“. „Hier gab es schon ganz konkrete Vorbereitungen zu einer solchen Tat, mit einer, wenn Sie so wollen, Biobombe. Und das ist schon ein in Deutschland einmaliger Vorgang“, sagte BKA-Präsident Holger Münch.

Das geplante Anschlagsziel ist den Ermittlern noch nicht klar. Aber nach dem Tipp eines US-Geheimdienstes schlugen sie nach wochenlanger Überwachung des 29-jährigen Tunesiers in seiner Wohnung in Köln-Chorweiler zu. Das Gift, das er unter anderem mithilfe einer Kaffeemühle hergestellt hatte, hätte ausgereicht, um mehrere hundert Menschen zu töten, hieß es.

Rizin herzustellen, ist relativ einfach zu bewerkstelligen. „Die Rizinus-Samen können Sie einfach im Internet bestellen“, sagt Gunnar Jeremias, der an der Universität Hamburg die Interdisziplinäre Forschungsgruppe zur Analyse biologischer Risiken leitet. „Das ist nicht ungesetzlich oder verboten.“ Der Wunderbaum (Ricinus communis) wird bei Gärtnern als Zierpflanze geschätzt, seine Samen werden industriell verarbeitet, unter anderem in der Kosmetikbranche. Gefährlich sind nur die gemahlenen Rückstände der Samenkapsel.

„Wie man das Gift gewinnt, steht sogar bei Wikipedia“, sagt Jeremias. „Da braucht man gar nicht auf eine klandestine Terror-Webseite zu gehen.“ Das Problem ist allerdings die Anwendung. Am wirksamsten sei die Verbreitung über die Luft, erklärt Jeremias. Dies allerdings ist schwierig zu bewerkstelligen. „Sogar Staaten wie Großbritannien, die daran geforscht haben, haben diese Art der Anwendung nicht weiter verfolgt.“ Mit hauseigenen Mitteln, also ohne Labor, komme ohnehin kein so reines Produkt heraus, dass dieser Einsatz möglich wäre. Terroristen würden eher auf die Vergiftung von Lebensmitteln setzen, vermutet Jeremias.

Rizin ist tödlich. Es setzt ein Enzym außer Kraft, das den Stoffwechsel regelt. Nach einigen Stunden bekommt der Betroffene hohes Fieber, es gibt Blutungen in der Lunge, und binnen drei Tagen tritt der Tod ein. Andere Biowaffen sind weitaus schwerer zu beschaffen und zu kontrollieren. „Auch ein Terrorist will sich ja nicht selbst vergiften“, sagt Jeremias. Aber Viren oder Bakterien ließen sich nur in langer Arbeit in professionellen Laboren zu Waffen verarbeiten. „Das ist ein Riesenaufwand.“ Die bekanntesten Biowaffen sind Milzbrand-Erreger, die im Jahr 2001 nach den Anschlägen des 11. September die USA in Angst und Schrecken versetzten. Dort war ein Mikrobiologe aus einem Labor der US-Armee der Täter.

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