Kommentar Stefan Kegel zum US-Botschafter Richard Grenell Richard Grenell: Trumps polternder Botschafter

Stefan Kegel
MOZ-Frankfurt, Redakteur
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Stefan Kegel MOZ-Frankfurt, Redakteur Autorenfoto 2017 © Foto: ?
Berlin / Stefan Kegel 06.06.2018

Es ist zumindest ungewöhnlich, wenn auf dem gebohnerten diplomatischen Parkett plötzlich jemand mit ungeputzten Cowboystiefeln auftaucht. Der neue US-Botschafter in Deutschland hat seine ersten Wochen genutzt, um sich zumindest bei jenen unbeliebt zu machen, die sonst auf eben jenem Parkett mit meisterlichen Pirouetten versuchen, möglichst wenigen Leuten auf die Füße zu treten. Grenell ist das egal. Sein Motto ist klar: Klare Kante. Und Amerika zuerst.

Man sollte Grenell nicht als Botschafter seines Landes im klassischen Sinne verstehen. Sondern eher als persönlichen Gesandten seines Präsidenten Donald Trump. Das kommt seiner Rolle näher, in die er sich mit seinen durchaus aggressiven Äußerungen begeben hat. Er soll durchsetzen, was Trump will. Versöhnlichkeit ist dabei weder Trumps Stärke noch offenbar Grenells. Dafür weiß jeder, woran er ist. Das kann seine Vorteile haben.

Auch wenn deutsche Diplomaten die Hände über dem Kopf zusammenschlagen – sie werden die nächsten Jahre mit Grenell umgehen müssen. Denn die USA sind nicht irgendjemand. Als großer Handelspartner und wichtiger politisch Verbündeter ist es unumgänglich, auch mit ihrem Botschafter zumindest einen sachlichen Umgang zu bewahren. Es gilt also nun, gegenüber der amerikanischen Seite die richtige Taktik zu finden, ohne Porzellan zu zerschlagen. Aus dem Auswärtigen Amt hört man, dass man gegenüber Grenell klare Erwartungen formulieren will, wenn auch nicht öffentlich. Mit anderen Worten: Hinter verschlossenen Türen werden sicherlich die Fetzen fliegen. Wie viel man künftig davon auf dem Parkett mitbekommt, ist eine andere Frage.

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