Menschen mit Bluterkrankheit, die sich in den 1990er Jahren durch verseuchte Medikamente mit tödlichen Viren infiziert haben, erhalten auch künftig eine Entschädigung. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will noch vor der Bundestagswahl per Gesetz sicherstellen, dass die nach dem Blutskandal eingerichtete Stiftung „Humanitäre Hilfe“ künftig jährlich zehn Millionen Euro aus Bundesmitteln erhält.

Der Stiftung, die 1995 durch das HIV-Hilfegesetz eingerichtet wurde, reicht das bisher von Bund, Ländern, Deutschem Roten Kreuz und einigen Pharmafirmen eingezahlte Geld, nur bis Ende 2017. Danach hätten die 350 noch lebenden Bluterkranken keine Entschädigung mehr erhalten. In den 90er Jahren hatten sich etwa 1800 Bluter durch Medikamente infiziert. Sie müssen dauerhaft Gerinnungspräparate einnehmen, um vor allem nicht innerlich zu verbluten. Obwohl dem damaligen Bundesgesundheitsamt bekannt war, dass Blutspenden mit HIV und Hepatitis-C-Viren verseucht waren, ließ es die Behörde zu, dass daraus Medikamente hergestellt wurden. Seit den 1980er Jahren gab es Verfahren, um solche Arzneimittel von Viren zu reinigen. Auch Arzneihersteller wussten von der Gefahr für die Bluter. Vor allem aus Kostengründen wurden die Reinigungsverfahren aber nicht eingesetzt. Rund 1250 der Infizierten sind inzwischen an den auf sie übertragenen Hepatitis-C- und HI-Viren gestorben.

Das Gesetz muss noch durch den Bundestag. Es soll an ein zur Beratung eingebrachtes Gesetz angehängt werden. Alle im Parlament vertretenen Fraktionen haben versichert, die unverschuldet Betroffenen nicht im Stich zu lassen. Michael Diederich und seine Lebensgefährtin Lynn Sziklai begrüßen Gröhes Vorhaben, werten es aber als Teilerfolg. Die zwei Ulmer sammeln seit 2016 Unterschriften für eine Petition an den Bundestag, Stichwort: Blutskandal-Kampange. Diederich wurde als Kind über sein Gerinnungspräparat infiziert. Ihr Ziel: Die Entschädigung soll nicht nur fortgesetzt, sondern um die Inflationsrate erhöht werden, bereits jetzt um 26 Prozent. Sie ermöglichten den Betroffenen, wenigstens, ihre Grundbedürfnisse abzudecken.