Kommentar Reform der Heilberufe ist eine gute Idee

Unser Berlin-Korrespondent Hajo Zenker findet, der Plan des Gesunheitsministers sieht nach einer guten Gesetzesidee aus.
Unser Berlin-Korrespondent Hajo Zenker findet, der Plan des Gesunheitsministers sieht nach einer guten Gesetzesidee aus. © Foto: Gerd Markert
Berlin / Hajo Zenker 06.12.2018
Gesundheitsminister Jens Spahn bringt eine Gesetzesznovelle für Heilberufe auf den Weg. Das ist eine gute Idee.

Ein Rezept vom Arzt nach einer Operation, nach einem Unfall für die Behandlung beim Physiotherapeuten reicht, egal, wie viele Anwendungen es letztlich braucht. So stellt sich das Gesundheitsminister Jens Spahn vor. 2020 soll es so weit sein.

Wer sich selbst schon mehrmals in übervolle Wartezimmer setzen musste, nur weil er ein Folgerezept für die Krankengymnastik brauchte, wird das zu schätzen wissen. Die Praxen dürften ein klein wenig leerer werden. Der Arzt ist nur einmal involviert und kann zudem die Entscheidung, wie genau der Behandlungsplan aussehen soll, getrost dem Therapeuten überlassen. Der hat das schließlich gelernt.

Das macht es nicht nur für Patienten leichter, es wertet auch die Heilberufe auf. Diese haben in den vergangenen Jahren deutlich an Attraktivität verloren in einem Gesundheitssystem, in dem zwar täglich eine Milliarde Euro ausgeben wird, man aber bisher noch bei Heilberufen in der Ausbildung Schulgeld zahlen muss.

Als Berufsanfänger steht man deshalb leicht mit 12.000 Euro Schulden da, verdient danach aber gerade 2000 Euro brutto. Auch das soll nun per Gesetz anders werden mit dem Wegfall des Schulgelds und besserer Entlohnung, und das endlich bundesweit einheitlich.

Natürlich wird man genau schauen müssen, dass sich Einzelne mit einem Übermaß an Anwendungen nicht über Gebühr ihre Einnahmen erhöhen. Ein Modellprojekt in Berlin-Brandenburg aber hat gezeigt: Die Zahl der Anwendungen je Behandlungsfall steigt, die Patientenzufriedenheit ebenso. Eine Kostenexplosion aber ist nicht zu erwarten. Das alles sieht nach einer guten Gesetzesidee aus.

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