Kommentar Michael Gabel zum Streit um das Verbot von Mehrfach-Ehen Rechnung geht nicht auf

Michael Gabel
Michael Gabel © Foto: Thomas Koehler/photothek.net
Berlin / Michael Gabel 11.06.2018

Das Thema hat ein Erregungspotenzial wie Burkas und Minarette: Bayern will Mehrfach-Ehen in Deutschland grundsätzlich aufheben lassen. Damit will man die Praxis unterbinden, dass manche muslimischen Männer außer mit der Erst- noch mit einer Zweitfrau zusammenleben, die sie nach islamischem Recht geheiratet haben. Der Vorschlag ist insofern gerechtfertigt, als das Schließen von Mehrfach-Ehen in Deutschland sowieso verboten ist. Da verwundert es ohnehin, weshalb im Gegensatz dazu die polygame Praxis erlaubt ist.

 Doch  beim Vorstoß aus Bayern ist Misstrauen geboten: In den vergangenen Jahren sollte die Politik der CSU, was Muslime betrifft, immer auch eine Zuwanderungs-Eindämmungspolitik sein. Dazu gehört der Streit um den Familiennachzug für Flüchtlinge, bei dem sich die Christsozialen lange Zeit wenig kompromissbereit zeigten. Ein weiteres Beispiel sind die harten Auflagen für Flüchtlinge, wenn sie eine Arbeit aufnehmen oder eine Ausbildung beginnen wollen. Auch damit will man vor allem weitere Zuwanderer abschrecken.

 Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass die CSU mit ihrem Vorgehen gegen Mehrfach-Ehen auch erreichen will, dass künftig weniger Zweit-, Dritt- und Viertfrauen einwandern sollen. Doch diese Rechnung wird nicht aufgehen. Denn nicht wegen ihrer Stellung als Ehefrauen dürfen einige wenige im Rahmen des Flüchtlingsnachzugs ins Land kommen, sondern weil sie Mutter gemeinsamer Kinder sind. Wenn der Nachwuchs aber bereits in Deutschland lebt, wäre es unmenschlich, den Müttern den Nachzug zu verweigern. Zum Glück berücksichtigen dies die deutschen Behörden und Gerichte.

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