Kommentar Mathias Puddig zum Nikotinentzug auf Kassenkosten Raucherstopp: Eine Frage des Willens

Mathias Puddig
Mathias Puddig © Foto: Thomas Koehler/ photothek.net
Berlin / Mathias Puddig 07.09.2018

Deutschland ist im europäischen Vergleich noch immer ein Raucherparadies. Die Preise für Zigaretten sind zwar gestiegen, aber moderat. Es gibt ein Rauchverbot in Kneipen und Gaststätten, aber das erlaubt in vielen Bundesländern Ausnahmen. In Internet, Radio und Fernsehen darf nicht für Tabakwaren geworben werden, das Verteilen von Gratis-Zigaretten geht aber unter gewissen Umständen klar. Das alles ist eine Frage des politischen Willens. Und der ist in Deutschland – anders als zum Beispiel in Großbritannien – offenbar nicht gegeben. Das sagt sogar die Weltgesundheitsorganisation.

Wenn Nikotinforscher jetzt vorschlagen, dass die Rauchentwöhnung von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden soll, dann verlangen sie vor allem eins: Die Kassen sollen diesen mangelnden politischen Willen kompensieren. Die Versicherten sollen ausbaden, was die Politik seit Jahren entweder versäumt oder verhindert. Sie sollen dafür bezahlen, dass es in Deutschland an konsequenten Maßnahmen und umfassenden Informationskampagnen mangelt. Das ist nicht ihre Aufgabe.

Dazu kommt die Frage, was die Krankenkassen eigentlich genau zur Entwöhnung finanzieren sollten. Die Wirkung von Nikotinpflastern  ist höchst umstritten. Einige Suchtforscher glauben, davon würden ausschließlich die Produzenten, also die Pharmakonzerne, profitieren. Wesentlich erfolgreicher ist hingegen ein anderer Weg: einfach aufhören. Die überwiegende Mehrheit der Ex-Raucher hat diesen Schritt ohne jedes Hilfsmittel geschafft. Das ist natürlich nicht leicht, dafür braucht es starken Willen und Unterstützung. Beides aber sind keine ärztlichen Leistungen.

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