Jerusalem/Berlin Rabbiner wettern gegen Urteil zur Beschneidung

Jerusalem/Berlin / DPA 10.07.2012

Die Proteste gegen das Kölner Beschneidungsurteil reißen nicht ab. Die Konferenz Europäischer Rabbiner will heute und morgen in einer Dringlichkeitssitzung in Berlin über Schritte gegen das Urteil beraten. "Es handelt sich um den vielleicht gravierendsten Angriff auf jüdisches Leben in Europa nach dem Holocaust", erklärte der Präsident der Konferenz, der Moskauer Rabbiner Pinchas Goldschmidt, gestern.

Das Urteil habe die Bedeutung der Beschneidung von Knaben für Glauben und Identität der Juden gründlich missachtet. Er sei sich sicher, dass die Entscheidung keinen Bestand haben werde, sagte Goldschmidt. Das Bundesjustizministerium erklärte, das Urteil werde "intensiv geprüft".

Der deutsche Botschafter in Israel, Andreas Michaelis, erläuterte das Urteil in der Knesset, dem israelischen Parlament. Das Urteil sei eine Einzelfallentscheidung, die keine bindende Wirkung für andere Gerichte entfalte. Es sei selbstverständlich, dass die deutsche Regierung die Unabhängigkeit der Justiz achte. Das Landgericht Köln habe das Recht des Kindes auf die Unversehrtheit seines Körpers über die Religionsfreiheit gestellt. Beide Rechte seien verfassungsrechtliche Grundsätze. Die Religionsfreiheit gelte für alle Religionsgemeinschaften.