Russland Putins Jahrespressekonferenz wird zu seiner großen Show

Wladimir Putin hält Hof, und die Journalisten hängen an seinen Lippen: So läuft es auf der Jahrespressekonferenz des Staatschefs.
Wladimir Putin hält Hof, und die Journalisten hängen an seinen Lippen: So läuft es auf der Jahrespressekonferenz des Staatschefs. © Foto: afp
Moskau / Stefan Scholl 15.12.2017
Auf Wladimir Putins Jahrespressekonferenz huldigten ihm am Donnerstag Journalisten. Auch die bevorstehenden Wahlen sorgten kaum für Debattenstimmung.

Es wird geklatscht, der Präsident springt mit zwei Sätzen auf die Bühne, vor den riesigen Bildschirm, der diesmal nicht in kühlen Blautönen sondern goldgelb leuchtet. Wladimir Putin beginnt seine 13. Jahrespressekonferenz als russischer Staatschef gewohnt dynamisch. „Warum ist nach 20 Jahren unter ihrer Regierung kein einflussreicher Oppositionskandidat aufgetaucht“, fragt ein Reporter des kremlnahen TV-Kanal Life. „Ist Ihnen selbst nicht langweilig?“ Bevor Putin antwortet, schlägt er vor, einer anderen Journalistin das Wort zu geben: „Um Ihre Frage noch zuzuspitzen, ich sehe hier eine junge Frau mit einem Plakat, auf dem ,Putin bye bye’ steht.“

Der 65-Jährige demonstriert von Anfang an, dass er keine kritischen Stimmen fürchtet. Aber Kritik bekommt er heute ohnehin kaum zu hören, die junge Frau, eine Tatarin, verbessert den Präsidenten: „Hier steht ,Putin Babai’, das heißt auf tatarisch ,Väterchen Putin’. So nennen die Kinder in unserer Republik Sie.“

Die „Große Pressekonferenz Wladimir Putins“, wie die Staatsmedien sie nennen, hat ihre eigenen Rituale. Der Staatschef antwortete am Donnerstag drei Stunden und 42 Minuten auf 65 Fragen von 1640 akkreditierten Journalisten, Rekord. Aber trotz des Massenaufgebots lief er nie Gefahr, ins Kreuzverhör zu geraten.

Auf die Frage, ob er mangels ernsthafter Konkurrenten einen langweiligen Wahlkampf erwartet, erwiderte Putin vor allem mit Fakten: Bei allen Problemen Russlands, die es noch zu diskutieren gäbe, sei das Bruttosozialprodukt seit dem Jahr 2000 um 75 Prozent gestiegen, die Industrieproduktion um 60 Prozent, die Gehälter 3,6mal, die Kindersterblichkeit aber 2,6mal gefallen… „Für eine nennenswerte Opposition ist es wichtig, nicht nur auf den Straßen Krach zu schlagen. Wichtig ist, etwas vorzuschlagen, um es besser zu machen.“

Abneigung gegen TV-Debatten

Diese Pressekonferenz besaß eine zusätzliche Dimension: Erst vergangene Woche hatte Putin seine Kandidatur bei den Präsidentschaftswahlen im März angekündigt. Aber da der Amtsinhaber es traditionell ablehnt, an TV-Debatten teilzunehmen, stellte diese Veranstaltung schon jetzt einen der letzten öffentlichen Termine vor dem Wahlgang dar, wo Wladimir Putin unangenehme Fragen drohen könnten.

Ein bißchen Spannung kam deshalb auf, als die Fernsehmoderatorin Xenia Sobtschak, die im März ebenfalls kandidieren will, das Mikrofon bekam: Sie hielt Putin vor, er habe keine ernsthaften Konkurrenten, weil diese entweder gar nicht zu den Wahlen zugelassen oder massiv behindert würden. „Es gibt den Kandidaten Nawalny, gegen den fiktive Strafverfahren eingeleitet wurden, die der Europäische Gerichtshof als rechtswidrig bezeichnet hat. Trotzdem wird er von den Wahlen ausgeschlossen.“

Putin ignorierte in seiner Antwort den Europäischen Gerichtshof, den Namen Alexei Nawalny ebenfalls. „Was die Figuren angeht, die Sie erwähnt haben“, erklärte er, „wollen Sie etwa, dass bei uns Leute wie Saakaschwili in der Ukraine herumlaufen?“ Xenia Sobtschak, inzwischen ohne Mikrofon, rief eine Antwort in den Raum: Doch die war nicht zu verstehen. So endete die Debatte, bevor sie überhaupt richtig angefangen hatte.

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