Kaum zwei Wochen liegt Wladimir Putins Hochglanz-Konferenz von Sotschi zurück. Und schon stehen die Zeichen in Syrien, statt auf nationalem Dialog und Waffenruhe, wieder auf Eskalation, Gewalt und Blutvergießen. Eigentlich möchte Moskau das Kriegskapitel für sich möglichst bald beenden und die Dividende für seinen rabiaten Bombeneinsatz einfahren – eine langfristige Militärpräsenz in Syrien und ein festes Standbein im östlichen Mittelmeer. Doch Baschar al-Assad zieht nicht mit. Nach wie vor setzt der Diktator völlig unbeirrt auf militärischen Sieg und will mit der Provinz Idlib jetzt auch die letzte Bastion der Opposition schleifen. Dabei ist ihm jedes Mittel recht – Giftgas, Hungerenklaven, Massenfolter und Fassbomben auf Krankenhäuser.

Verbündeter Russland dagegen gerät immer stärker in ein Dilemma. Denn die Zeit spielt gegen Moskau, wenn es sich nicht noch tiefer in den syrischen Morast hineinziehen lassen will. Putins Einfluss auf die Machthaber in Damaskus jedoch reicht allem Anschein nach nicht aus, um die Assad-Clique jetzt oder in absehbarer Zeit zu nennenswerten Zugeständnissen zu zwingen. Und so rutscht der Kreml immer mehr in die brisante Lage, sich von Damaskus das Gesetz des Handelns aufzwingen zu lassen und seine Luftwaffe notgedrungen an dessen Militäraktionen zu beteiligen, um die eigene politische Ohnmacht zu kaschieren.

Der erste Abschuss eines Kampfjets durch Rebellen an diesem Wochenende aber geben dem Kreml jetzt einen Vorgeschmack, wie zuvor bereits die Drohnen-Angriffe auf seine Militärbasen und die Attentate auf seine Soldaten, was auf dem syrischen Schlachtfeld noch alles kommen könnte.