Kommentar Michael Gabel zum Gipfel in Meseberg Putin muss liefern

Michael Gabel
Michael Gabel © Foto: Thomas Koehler/ photothek.net
Berlin / Michael Gabel 20.08.2018

Man darf den Charmeur Putin nicht unterschätzen. Wann immer er die Möglichkeit dazu hat, versucht er sich, als toller Kerl in Szene zu setzen. Auch sein Kurzbesuch bei der Hochzeitsfeier der österreichischen Ministerin war wohlkalkuliert und dürfte ihm bei manchen im Westen einen kleinen Imagegewinn gebracht haben. Doch das anschließende Treffen mit der Bundeskanzlerin hat gezeigt: Die ganze Charme-Offensive nützt ihm wenig. Russlands Präsident muss sich auch inhaltlich auf den Westen zubewegen. Sonst bleibt sein Land in der politischen Isolation.

Dabei gäbe es durchaus Möglichkeiten zu einer besseren Zusammenarbeit: in Syrien, wo der Westen seine Strategie aufgegeben hat, den Putin-Freund Assad mit Waffengewalt aus dem Amt zu jagen. Aber auch in der Ost-Ukraine, wo ein Durchbruch bitter nötig wäre und Russland auf Dauer eigentlich kein Interesse daran haben kann, einen Krisenherd direkt vor seiner Haustür zu unterhalten.     

Gerade die weitere Entwicklung im Osten der Ukraine wird aber zeigen, ob es Putin wirklich ernst damit meint, dass ihm an der „Weiterentwicklung der Zusammenarbeit mit Deutschland“, wie er es in Meseberg ausdrückte, gelegen ist. Eine solche Formulierung lässt erahnen, wie sehr der russische Präsident das Ende der Wirtschaftssanktionen herbeisehnt. Doch um seinem Ziel näher zu kommen,  reicht es nicht, Gesprächsbereitschaft zu demonstrieren. Ein positives Signal wäre es zum Beispiel, wenn der Kreml-Chef endlich seinen Widerstand gegen eine UN-Blauhelm-Mission in der Region aufgeben würde. Andeutungen in dieser Richtung hat Putin zuletzt mehrfach gemacht. Nun muss er auch handeln.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel