AfD-Parteitag Proteste in Augsburg bleiben friedlich

Demonstranten und Polizisten in Augsburg. Etwa 2000 Polizeibeamte sind am Wochenende vor Ort, um die Demonstrationen zu überwachen.
Demonstranten und Polizisten in Augsburg. Etwa 2000 Polizeibeamte sind am Wochenende vor Ort, um die Demonstrationen zu überwachen. © Foto: Karl-Josef Hildenbrand
Augsburg / Thomas Block 30.06.2018
Über 5000 Menschen haben an Demonstrationen gegen den Parteitag der AfD teilgenommen - die befürchteten Krawalle blieben bisher aus.

An diesem sonnigen Samstag um halb zehn wirkt die Augsburger Schwabenhalle wie eine Festung. Polizisten sichern das Gelände ab, immer wieder laufen die schwarz uniformierten Beamten in Zweierreihen durch den Korridor, den sie zwischen die Demonstranten und die Delegierten des AfD-Parteitages gezogen haben.

Einige wenige Demonstranten rufen: „AfD, Rassistenpack, wir haben euch zum Kotzen satt!“ Viele Demonstranten stehen etwas desorientiert daneben und halten Schilder hoch, auf denen „Augsburg ist bunt“ geschrieben steht. Auf der anderen Seite des Korridors laufen sichtlich eingeschüchterte AfD-Mitglieder Richtung Messegelände.

„Hoffentlich wird das nicht wie in Hamburg“, sagt ein Taxifahrer. Wie damals, als Autonome die Straßen der Hansestadt zum G20-Gipfel verwüsteten. Das ist also die Stimmungslage kurz vor dem größten Polizeieinsatz, den Augsburg je gesehen hat. Die sonst so friedliche Friedensstadt wirkt wie ein Pulverfass. Oder sagen wir: Ein Pulverfässchen. Denn tatsächlich laufen die Demonstrationen am Rande des AfD-Parteitages in Augsburg durchgängig friedlich ab.

2000 Beamte sind aus ganz Deutschland angereist, 5000 Menschen haben am Protestzug vom Messegelände in die Innenstadt teilgenommen, 6000 Menschen haben sich zur Kundgebung auf dem Augsburger Rathausplatz zusammengefunden – mehr als doppelt so viele wie von den Veranstaltern veranschlagt. Die AfD sieht das als reale Bedrohung. „Ein nicht zu geringen Teilen gewaltbereiter Mob“ tobe da vor der Tür, sagt Parteichef Jörg Meuthen, das seien „linksterroristische Dumpfbacken“.

Die Polizei schätzt das etwas anders ein: Es habe eine versuchte Sitzblockade auf einer Kreuzung gegeben, einige Demonstranten hätten versucht, Absperrgitter zu überklettern, gegen zwei Demonstranten wurde Pfefferspray eingesetzt. Das war es aber auch schon. Um kurz vor zwei twittert die Polizei: „Die Versammlung ist mit ca. 5000 friedlichen Teilnehmern am Rathausplatz angekommen. Wetter gut - Stimmung aller Beteiligten gut. Vor Ort werden kostenlos Getränke verteilt. Danke an alle für diesen reibungslosen Verlauf!“ Die Veranstalter hatten „bunte und friedliche Demonstrationen“ angekündigt und genauso ist es gekommen.

„Angriff auf die Grundlagen unserer Demokratie“

„Was hier gerade passiert, auch heute in einer Augsburger Messehalle, ist kein Zufall, kein Spiel, kein Geplänkel, sondern ein gezielter Angriff auf die Grundlagen unserer Demokratie“, sagt Claudia Roth (Grüne). Die Bundestagsvize-Präsidentin und Augsburger Bundestagsabgeordnete ist die wohl prominenteste Rednerin auf dem Rathausplatz. Multikulti sei nicht gescheitert, sondern zumindest in Augsburg Alltag, sagt sie. „Das lassen wir uns von niemandem wegnehmen.“

Ihre Rede, so wie auch die des Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert, trafen offenbar den Nerv der Menschen. Schwer hingegen hatten es Redner von der CSU. Augsburgs Bürgermeister Kurt Gribl, der vor anderthalb Jahren schon mal Frauke Petry ein Hausverbot für das Rathaus erteilt hatte, wurde ausgebuht, ebenso der CSU-Bundestagsabgeordnete Volker Ulrich.

Laut Polizei flogen Tomaten und Plastikflaschen auf die Bühne. Einige Demonstranten skandierten: „Söder muss weg“ und „AfD hetzt, CSU schiebt ab – das gleiche Rassistenpack“.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel