Integration Positives Echo auf Reform der Islamkonferenz

Berlin / Stefan Kegel 13.07.2018
Die angekündigte Reform der Islamkonferenz hat in der Türkischen Gemeinde und beim Zentralrat der Muslime (ZMD) ein positives Echo gefunden.

Mehrere Verbände haben den Vorstoß des Innenministeriums zu einer Reform der Islamkonferenz begrüßt. „Es geht darum, den längst integrierten deutschen Muslim, der seine Steuern zahlt, seinen Beitrag für die Gesellschaft leistet – kurzum, der jeden Tag das Motto lebt: der Islam gehört zu Deutschland –, endlich in den Mittelpunkt zu setzen“, sagte Vorsitzender Aiman Mazyek dieser Zeitung.

Innen-Staatssekretär Markus Kerber hatte unter anderem gefordert, den Fokus der Islamkonferenz stärker auf nicht organisierte Muslime zu legen – die Islamverbände in Deutschland vertreten nur einen Bruchteil der rund viereinhalb Millionen Angehörigen dieser Religion hierzulande. Zudem forderte er, die Konferenz solle sich auf eine deutsche Version des Islams einigen. „Fest steht: Es gibt einen deutschen Katholizismus, es gibt einen deutschen Protestantismus, und es gibt ein deutsches Judentum. Und wenn es einen Islam geben soll, der zu Deutschland gehört, dann müssen die deutschen Muslime ihn als ‚deutschen Islam‘ definieren – und zwar auf dem Boden unserer Verfassung“, erklärte Kerber im Interview der „Bild“.

Zentralratsvertreter Mazyek erklärte, bisher hätten sich Teile der Politik eher an der Fragmentierung der Islamischen Gemeinschaft beteiligt, „indem sie der Ethnisierung der Muslime das Wort geredet haben. Dass damit nun Schluss sein soll, ist gut.“ „Wir sind Deutsche, ohne Wenn und Aber. Und eine ganz große Mehrheit der Muslime will das so verstanden wissen, nicht nur Einzelpersonen und Partikularinteressen, sondern viele hundert Gemeinden mit ihren abertausenden Gläubigen in den Moscheen.“ Im Hinblick auf die vom Innenministerium geforderte Verfassungsmäßigkeit eines „deutschen Islams“ sagte er: „Es gibt für uns keinen Islam, der nicht verfassungskonform ist. Es gibt allenfalls Muslime, die extremistische oder kriminelle Vorstellungen mit ihrer Religion verwechseln und sich bisweilen gegen unsere Ordnung stellen. Diese werden weiterhin unseren entschiedenen Widerstand erfahren.“

Auch der einzige nichtislamische Verband, der an der Islamkonferenz teilnimmt, kann Kerbers Vorstoß durchaus etwas abgewinnen. „Es war falsch, dass man die Islamkonferenz nur mit den bestehenden islamischen Organisationen fortgeführt hat“, sagt Gökay Sofuoglu, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland. Die Verbände hätten sich dadurch sehr auf ihre eigene Arbeit konzentriert und seien wenig miteinander ins Gespräch gekommen. Eine gesunde Mischung aus kritischen Einzelpersonen und Verbänden könne diesen Dialog wieder in Gang bringen, hofft er. Die Einbeziehung von Islam-Kritikern war im Jahr 2014 beendet worden, nachdem es immer wieder zu Eklats gekommen war.

Eine Herausforderung für die nächste Islamkonferenz, die für November avisiert ist, sieht Sofuoglu in der „längst überfälligen Debatte“ darüber, Strukturen für islamischen Religionsunterricht aufzubauen oder Kooperationspartner zu finden. „Dafür braucht man unabhängige Organisationen.“ Diese dürften nicht von ausländischen Staaten kontrolliert sein, betont er mit Blick auf die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) mit ihren rund 150.000 Mitgliedern, die stark vom türkischen Staat dominiert wird und ebenfalls Mitglied der Islamkonferenz ist. Die Diskussion müsse man mit Ditib führen. „Die alleinige Deutungshoheit für den Islam hat kein Verband in Deutschland.“ Ditib selbst wollte sich am Freitag nicht zu dem Vorstoß des Innenministeriums äußern.

Kerbers Idee für die Entwicklung eines „deutschen Islam“ findet bei Gökay Sofuoglu Widerhall. „Der Diskurs sollte dazu führen, dass der Islam in Deutschland mit Inhalt gefüllt wird“, erklärt er. „Und er muss dann auch für alle gelten.“

Die Islamkonferenz wurde 2006 vom damaligen Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) aus der Taufe gehoben. Sie trifft sich regelmäßig als Dialogforum zwischen Staat und Muslimen. Es geht zum Beispiel darum, wie man islamischen Religionsunterricht organisieren kann. Bislang gibt es keinen Staatsvertrag wie mit den christlichen Kirchen, in dem zum Beispiel der Einzug von Kirchensteuern oder die Ausbildung von Religionslehrern geregelt ist.

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