Porträt von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann

Immer in Anzug mit Krawatte, immer sorgfältig frisiert: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann.
Immer in Anzug mit Krawatte, immer sorgfältig frisiert: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. © Foto: dpa
PATRICK GUYTON 28.07.2016
Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann schien nach den Gewaltexzessen der letzten Tage überall zugleich zu sein. Wer ist dieser Mann?

Seit den drei Anschlägen in einer Woche in Bayern ist Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dauerpräsent: Er erklärt das Axt-Attentat von Würzburg, berichtet vom Münchner Amoklauf, legt Blumen am Tatort nieder, sitzt bei Plasberg in der Talkshow und informiert die Öffentlichkeit später, mitten in der Nacht, über den Selbstmordanschlag in Ansbach. Dabei sieht Herrmann immer fast gleich aus, wirkt ruhig-seriös. Seine „persönliche Befindlichkeit“ sei in diesen Stunden und Tagen nicht entscheidend, sagt er.

Ministerpräsident Horst Seehofer weiß, was er an dem soliden Faktenmenschen hat, auch die Opposition zollt ihm dieser Tage Respekt. Herrmanns Lebenslauf ist nahezu ohne Brüche: Jura-Studium, politische Arbeit in der CSU, Referent in Bayerns Staatskanzlei. Er stand der CSU-Fraktion vor und wurde 2007 Innenminister. Verheiratet, drei Kinder.

Politisch gilt Herrmann als Law-and-Order-Mann, zeichnet sich aber auch durch Bedächtigkeit aus. Er gehört nicht zu jenen, die Stimmungen aufpeitschen. Besondere Kreativität oder größere politische Visionen sind auch nicht seine Sache. Dass er Schlagersänger Roberto Blanco als „wunderbaren Neger“ bezeichnete, war ein Ausrutscher, der Anlass gab, Herrmann in den miefigen 50er-Jahren zu verorten. Sein Auftreten passt dazu: immer Anzug und Krawatte, immer sorgfältig frisiert.

Joachim Herrmann gilt als bieder, manchen als langweilig. CSU-Parteitage leitet er mit großer Umsicht, stundenlang sitzt er wie verwurzelt auf seinem Stuhl, hat alles im Blick, arbeitet das Programm ab. Er versteht es aber auch, unliebsame Anträge ganz nebenbei an irgendeinen Ausschuss zu verweisen, wo sie dann in der Versenkung verschwinden – ohne dass der Parteitag das überhaupt richtig registriert.

In der großen Parteikrise 2008 nach Edmund Stoibers erzwungenem Rückzug wollte Herrmann Ministerpräsident werden, zog dann aber für Seehofer zurück. In der Partei wird er jetzt als Notnagel gesehen für die Seehofer-Nachfolge. Falls sich Favorit Markus Söder und Konkurrentin Ilse Aigner auf eine Weise anfeinden, die die CSU massiv schädigt – dann könnte die Stunde des Joachim Herrmann kommen.