Der Karnevalsumzug in Braunschweig ist kurz vor dem Start wegen Hinweisen auf einen möglichen Terrorakt abgesagt worden. Aus "zuverlässigen Staatsschutzquellen" sei bekanntgeworden, dass "eine konkrete Gefährdung durch einen Anschlag mit islamistischen Hintergrund" vorliege, erklärte die Polizei. "Es handelte sich nicht um eine SMS oder einen Drohanruf." Bereits am Samstagabend hätten die Braunschweiger Behörden die Hinweise erhalten und gründlich geprüft.

Mit Blick auf die Anschläge von Kopenhagen sehen die Sicherheitsbehörden aber nicht grundsätzlich eine erhöhte Terrorgefahr in Deutschland. In anderen Städten sollen die großen Rosenmontagsumzüge wie geplant stattfinden. In den Karnevalshochburgen in Mainz, Düsseldorf und Köln feiern traditionell Hunderttausende Menschen bei den Straßenumzügen. Auch die Behörden im Südwesten betonten, die Fastnachtsumzüge im Land seien nicht gefährdet.

Zum Braunschweiger Karneval wurden gestern bis zu 250.000 Besucher erwartet. Das Spektakel gilt als der größte Karnevalsumzug Norddeutschlands. 4500 aktive Teilnehmer und rund 100 Motivwagen sollten dabei sein.

Das Bundesinnenministerium sieht nach den Anschlägen von Kopenhagen derzeit jedoch keine grundsätzlich erhöhte Terrorgefahr in Deutschland. Es gebe nach wie vor eine abstrakt hohe Gefährdung, sagte eine Sprecherin. "Wir haben aber keine konkreten Hinweise auf Anschlagsplanungen in Deutschland", betonte sie. "Die Lage ist unverändert." Aus Sicherheitskreisen hieß es, nach Anschlägen wie im Januar in Paris und nun in Kopenhagen gingen eine Vielzahl an möglichen Terrorhinweisen ein. Die Sicherheitsbehörden müssten jedem Hinweis nachgehen und prüfen, ob es sich nur um Wichtigtuerei handele oder wirklich etwas dahinterstecke. Das sei sehr schwierig - und führe manchmal zu Vorsichtsmaßnahmen wie nun in Braunschweig.

In Braunschweig herrschte gestern große Enttäuschung bei bereits angereisten, kostümierten Anhängern des Umzugs. Die Polizei setzte entlang der geplanten Route Spürhunde ein. Braunschweigs Oberbürgermeister Ulrich Markurth (SPD) sagte, dies sei "ein trauriger Tag für unsere demokratische Gesellschaft". Die Einschätzung der Polizei habe jedoch eine andere Entscheidung nicht zugelassen.