POLITISCHES BUCH: Urvater des Liberalismus

GHA 02.09.2013

John Stuart Mill (1806 - 1873) war einer der Urväter des politischen Liberalismus, der nicht nur in seinen Anfängen intellektuell anspruchsvoller und ideologisch differenzierter war als die FDP-Klientelpolitik der letzten vier Jahre. Der englische Philosoph und Ökonom legte 1861 mit seinen "Betrachtungen über die Repräsentativregierung" eine damals heftig diskutierte Schrift über das Verhältnis von Öffentlichkeit, Parlament und Exekutive vor, die sich mit heutigen Augen erstaunlich zeitgemäß liest.

Auch gegenwärtig wird ja darüber gestritten, inwieweit das Modell der repräsentativen Demokratie ein Höchstmaß an Teilhabe der Bürger erlaubt, ob nicht Experten und Bürokraten das Sagen in einem System haben, das individuelle Freiheiten einschränkt und den Interessen mächtiger Lobbygruppen Vorteile gegenüber dem Gemeinwohl einräumt. Schon der Uraltliberale Mill plädierte für eine Demokratie, in der Konflikte in möglichst offener Arena verhandelt und einem befriedenden Resultat zugeführt werden, ohne dass sich die jeweilige Mehrheit als Tyrann gegenüber den Minderheiten aufspielt.

Auch wenn Mill als überzeugter Anwalt des britischen Imperialismus durchaus umstritten bleibt, lohnt die Lektüre seiner Betrachtungen sehr wohl. Die beiden Herausgeber haben die Neuübersetzung des Textes mit einem ausführlichen Nachwort versehen, das die Einordnung in die aktuelle Debatte über die Krise der repräsentativen Demokratie erleichtert. Info John Stuart Mill, Betrachtungen über die Repräsentativregierung. Hrsg. Hubertus Buchstein und Sandra Seubert. Suhrkamp Verlag, Berlin 2013. 336 Seiten. 18,00 Euro.

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