POLITISCHES BUCH: Sicherheit ohne Waffen

BERTHOLD MERKLE 07.02.2013

Wenn irgendwo auf der Welt die Sicherheit bedroht ist, werden Soldaten dorthin geschickt. Doch das funktioniert nicht mehr. Shannon D. Beebe und Mary Kaldor beschreiben in ihrem Buch, warum die bisherigen militärischen Mittel die falschen sind.

Der US-Offizier und die Friedensforscherin waren jahrelang in Krisengebieten unterwegs und haben dort immer wieder erlebt, mit welch untauglichen Rezepten die westlichen Staaten Konflikte lösen wollen. Schon die Voraussetzungen beruhen auf einem Missverständnis, meinen die beiden Autoren. Denn unter "Sicherheit" verstehen die Menschen in den Entwicklungsländern nicht die Abwesenheit von Krieg, sondern anständige Lebensbedingungen: sauberes Wasser, genügend Nahrung und eine funktionierende Gesundheitsversorgung.

Engagiert ergreifen Kaldor und Beebe Partei für die wehrlosen Menschen in aller Welt, die in der ständigen Bedrohung leben, beraubt, gefoltert oder vergewaltigt zu werden. Dagegen helfen keine milliardenteuren Waffensysteme. An den Beispielen Afghanistan und Irak zeigen die Autoren, dass Militäreinsätze kontraproduktiv wirken können: Diese Invasionen hätten "wie Magnete weltweit Heilige Krieger angezogen", die letzten Reste staatlicher Ordnung zerstört und ein Sicherheitsvakuum hinterlassen, das eine Spirale der Gewalt auslöste.

Die neuen Konflikte könnten nicht mehr mit dem Denken des 20. Jahrhunderts gelöst werden, betonen die Autoren. Diesen Fehler habe George W. Bush nach dem 11. September 2001 begangen - mit den bekannten Ergebnissen. Mehr hätte erreicht werden können, wenn die immensen militärischen Mittel für zivile Hilfe eingesetzt worden wären. Statt Luftangriffe auf terroristische Ziele zu fliegen, bei denen Unbeteiligte getötet und damit immer mehr Terroristen geschaffen werden, sollten die westlichen Staaten in Afghanistan und anderswo "menschliche Sicherheit" schaffen, schreiben Kaldor/Beebe. Diese beginne beim Wiederaufbau von Behörden, Rechtsinstitutionen und lokalen Sicherheitskräften - hinzu kämen die Bekämpfung von Armut sowie die Förderung von Schulbildung und Gesundheit.

Allerdings machen die Kosten für globale Friedensmissionen derzeit gerade 0,55 Prozent des US-Militärhaushalts aus. Ein reiner Pazifismus schwebt den Autoren aber nicht vor. Soldaten sollten als Friedenshüter auch "hart" durchgreifen können, schreiben sie - auch wenn das paradox sei.

Shannon Beebe/Mary Kaldor:

Unsere beste Waffe ist keine Waffe. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012. 250 Seiten, 24,95 Euro.