Die weiter wachsende Kluft zwischen großen Vermögen und realer Armut in Deutschland hält die seit einigen Jahren wieder lebhafter werdende Debatte über Ungleichheit und Ungerechtigkeit auf Trab. Dabei interessieren sich Sozialwissenschaftler nicht bloß für die Frage, wo Ungleichheit herrscht und wie sie sich äußert, sondern auch dafür, ob und welche Probleme durch diese entstehen, für die Betroffenen wie für die Gesellschaft.

Die Bremer Soziologen Steffen Mau und Nadine M. Schöneck haben sich jetzt um einen ebenso kompetenten wie bündigen Überblick über die wichtigsten Forschungsansätze sowie über den Diskurs über Ungleichheit in Deutschland verdient gemacht. Dabei gehen die 20 Autoren, allesamt ausgewiesene Experten auf verschiedenen Feldern der Wissenschaften, der Frage nach, wo Ungleichheit in Ungerechtigkeit umschlägt, und zwar im Blick auf Bildung, Markt, Sozialstaat, Geschlechter, Erbschaften, Zuwanderung und Demokratie.

Diskutiert wird, inwieweit Ungleichheit akzeptabel im Sinne einer funktionalen Bedeutung für ein Sozialsystem sein kann und wann Ungleichheit mit negativen Folgen oder hohen Kosten für das Individuum und die Gesellschaft verbunden ist. Trotz unterschiedlicher Urteile in Einzelaspekten von Ungleichheit kann als gesicherte Erkenntnis gelten, dass jedenfalls "die Hyperkonzentration von Vermögen nicht nur moralisch zweifelhaft" ist, sondern auch schädlich für wirtschaftliches Handeln und soziale Integration. Info Steffen Mau/Nadine M. Schöneck (Hg.), (Un-)Gerechte (Un-)Gleichheiten. Suhrkamp Verlag, Berlin. 2008 Seiten. 16 Euro.