Mit teils provozierenden Thesen stellt Fritz Vahrenholt die vorherrschende Meinung von der Klimaerwärmung aufgrund des gestiegenen CO2-Ausstoßes in Frage. Als Geschäftsführer der RWE Innogy ist er im Konzern für den Ausbau der erneuerbaren Energien zuständig. Beeinflusst haben seine Überzeugung unter anderem Erfahrungen beim Ausbau der Windenergie. Vahrenholt stellte fest, dass die Strommenge, die die Windkraftanlagen produzierten, weit hinter den Erwartungen zurückblieb, die prognostiziert worden waren. Ursache war der Wind, der in stärkerem Ausmaß ausblieb. Ein weiterer Ausgangspunkt war, dass der UN-Weltklimarat Vahrenholt bat, 2009 den Entwurf des Reports über erneuerbare Energien zu prüfen: Er stellte 293 Mängel und Fehler fest.

Spannend untermauert Vahrenholt in seinem Buch die These, dass steigende und sinkenden Temperaturen durch die stärkere oder schwächere Sonnenaktivität beeinflusst werden. Zahlreiche Belege führt er an, zum Beispiel, dass nach einer Phase der Erderwärmung vom Jahr 800 bis etwa 1300 die so genannte kleine Eiszeit von 1300 bis 1800 folgte, in der die Temperatur um zeitweilig bis zu einem Grad sank. Ausgelöst hat diese Entwicklungen die Sonnenaktivität. Die Schwankung im weltweiten Klima lagen bei den Entwicklungen in den letzten zwei Jahrtausenden bei zwei Grad. Das geschah in Zeiten, in denen die durch den Menschen verursachte CO2-Menge nur eine marginale Rolle spielte. Der Autor zählt zahlreiche Ursachen auf, die das Weltklima beeinträchtigen, der Öffentlichkeit aber kaum bekannt sind. So verstärkt die pazifische Dekaden-Oszillation (PDO), die wahrscheinlich durch Gravitationskräfte von Planetenkonstellationen ausgelöst wird, abwechselnde Phasen von Erwärmung und Kälte - unabhängig von der Menge des menschlich verursachten CO2-Ausstoßes.

Dass langfristig die Energieerzeugung aufgrund der zeitlich begrenzten Verfügbarkeit der fossilen Energieträger auf regenerative Energien umgestellt werden muss, stellt Vahrenholt nicht in Frage. Er warnt aber in diesem Zusammenhang vor falschem Aktionismus aufgrund einer einseitigen Erklärung durch das CO2 als Ursache für die Erderwärmung. Er hält dieser These sein multifaktorielles Erklärungsmodell für die Temperaturschwankungen im Klimawandel entgegen.

Info Fritz Vahrenholt/Sebastian Lüning: Die kalte Sonne. Warum die Klimakatastrophe nicht stattfindet. Hoffmann und Campe, Hamburg 2012. 444 Seiten, 24,99 Euro.