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Maria von Welser: "Wo Frauen nichts wert sind", Ludwig-Verlag München, 320 Seiten; 19,99 Euro

Das Buch von Maria von Welser ist schockierend. Schonungslos beschreibt die Autorin die Gewalt und die menschenverachtende Ausbeutung, der Frauen in vielen Ländern ausgeliefert sind. Besonders schlimm findet die bekannte TV-Journalistin, dass in den täglichen Nachrichten über die Kriege in der Ukraine, im Irak und anderswo die Frauen so gut wie nicht vorkommen. "Warum sehen wir weg?", fragt sie. Dies sei ein Skandal und daher habe sie dieses Buch geschrieben.

Das hat sie richtig gut gemacht. Als Reporterin ist sie dort hingefahren, wo es am Schlimmsten ist: Afghanistan, Ost-Kongo und Indien. Die Frauen dort erleben im wahr-sten Sinne des Wortes die Hölle auf Erden. Sie werden als Menschen missachtet, als Arbeitssklaven ausgebeutet und sind unglaublicher sexueller Gewalt ausgesetzt.

"Weil ich nicht wegsehen wollte, habe ich mich auf den Weg in diese Länder gemacht", schreibt Maria von Welser. Ein aufwendiges Projekt - eineinhalb Jahre hat die Journalistin recherchiert. Sie war nicht an den großen Kriegsschauplätzen, sondern in den Hütten und Spitälern. Sie hat mit den verzweifelten Eltern der jungen Inderin geredet, die nach einer Gruppenvergewaltigung gestorben ist, und mit verstümmelten Frauen in einer Hilfsstation im Kongo. Diese schlimmen Erlebnisse schildert Maria von Welser in einer klaren Sprache und doch sehr emotional. Oftmals sind die Szenen beim Lesen kaum zu ertragen.

Doch Maria von Welser schreibt nicht für die Sensation. Sie will die Öffentlichkeit aufrütteln - in den betroffenen Ländern und in der Welt. Denn darin sieht sie den ersten Schritt, um die Lage der Frauen zu verbessern.

Die Autorin sucht auch nach den Gründen für diese Gewaltspirale und klagt die Männer an, die zu 99 Prozent für die Kriege verantwortlich seien. Auch das Milliardengeschäft Menschenhandel werde weltweit von den Männern betrieben.

Die Ausbeutung der Frauen schade zugleich den Ländern, in denen diese stattfindet. "Länder, die ihre Mädchen und Frauen nicht fördern, stehen erwiesenermaßen am unteren Ende der weltweiten Armutsliste", schreibt sie. Und Armut gebiere zusätzlich Gewalt. Am Wichtigsten sei die Bildung. Denn ausgebildete Frauen könnten ihren Lebensunterhalt selber verdienen und wären der Willkür von Männern nicht mehr ausgeliefert - sie sind dann etwas "wert".