CSU Politikwissenschaftler: Harmonie bei der CSU ist nur vorübergehend

Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke.
Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke. © Foto: Tobias Tanzyna
Berlin / Mathias Puddig 05.12.2017
Die CSU demonstriert Einigkeit. Albrecht von Lucke, Politikwissenschaftler von den „Blättern für deutsche und internationale Politik“, sieht das skeptisch.

Die CSU demonstriert Einigkeit. Albrecht von Lucke, Politikwissenschaftler von den „Blättern für deutsche und internationale Politik“, sieht das skeptisch.

Die CSU hat viel Harmonie gezeigt – wie lange kann das halten?

Albrecht von Lucke: Das hält bestenfalls ein Jahr, denn es ist nur die Simulation von Harmonie zwischen Seehofer und Söder. Aber das gemeinsame Ziel ist eine erfolgreiche Landtagswahl. Alle Seiten haben diesen Wunsch, vor allem aber Markus Söder. Horst Seehofer hat ihm quasi den schwarzen Peter zugespielt: Jetzt ist Söder in der Pflicht. Er muss bei den Landtagswahlen im nächsten Jahr ein Ergebnis zutage fördern, das, wenn es schon nicht die absolute Mehrheit ist, dann aber deutlich über den 38 Prozent der aktuellen Umfragen liegt. Wenn Söder das nicht schafft, sind auch seine Tage schnell gezählt.

Hat Söder den Hauch einer Chance?

Das glaube ich durchaus. Die CSU war auch durch die unklare Führungsfrage geschwächt. Ihre Zerstrittenheit stellte ein Riesenproblem dar. Und ich glaube, Seehofer will nicht ein Jahr lang als Störenfried wahrgenommen werden. Insofern ist die jetzige Lage für die CSU sogar die stärkste: Seehofer bleibt in Berlin und spielt dort eine wichtige Rolle in möglichen Verhandlungen und vielleicht darüber hinaus als Minister, auch wenn er dem jetzt noch eine Absage erteilt. Söder übernimmt Bayern, und dann wird man sehen, wie sehr er von dort aus einen so populistischen Kurs fahren kann, der der AfD wieder Wähler abnimmt.

Sind die Unterschiede zwischen Seehofer und Söder  so groß?

Söder steht weiter rechts als Seehofer. Er wird noch stärker versuchen, die rechte Flanke zu schließen. Generell haben wir in Berlin aber schon immer eine kollegial auftretende CSU gehabt. Natürlich kann sie hier nicht so krachledern auftreten wie in Bayern. Sie muss sich ja auch in eine Koalition mit der SPD begeben. Seehofer wird aber versuchen, das Soziale stärker zu betonen. Er will als Partei der kleinen Leute wahrgenommen werden, auch das nicht zuletzt gegen die AfD.

Was heißt das für Angela Merkel?

Sie wird erleichtert sein, mit Seehofer eine starke Kraft in Berlin zu haben, die sie gegebenenfalls noch einmal als Minister in die Verantwortung nehmen kann. Die Frage wird sein, ob sich die CSU weiter primär auf die Innere Sicherheit kapriziert. Dafür spricht viel, aber Seehofer wäre dafür nicht unbedingt geeignet. Er hat sich als Sozialpolitiker einen Namen gemacht.

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