Kommentar Politik muss Altersarmut angehen

Altersarmut
Altersarmut © Foto: dpa
Berlin / Stefan Kegel 22.12.2017

Bei allen empörten Rufen der Sozialverbände: Noch ist Altersarmut kein Massenphänomen in Deutschland. Von den 18 Millionen gesetzlichen Rentenempfängern erhalten rund eine halbe Million die sogenannte Grundsicherung im Alter, praktisch die Sozialhilfe für Senioren. Das sind nicht einmal drei Prozent. Allerdings gibt es Warnzeichen, die man ernst nehmen sollte. Zu ihnen gehört, dass inzwischen jeder vierte Nutzer der Tafeln in Deutschland älter als 65 Jahre ist – eine Verdopplung innerhalb eines Jahrzehnts.

Zwar spielt bei dem Anstieg sicherlich eine Rolle, dass die inzwischen 934 Tafeln mit ihren kostenlosen Angeboten übrig gebliebener Lebensmittel einen guten Ruf genießen und neue Kunden anziehen. Statt einer ärmlichen Suppenküche sind sie auch ein Treffpunkt für Menschen, die sich in ähnlichen Lebenslagen befinden – mit einer Rente, die nicht reicht, oder einem fehlenden familiären Netz, das sie in ihrer Not auffängt.

Doch diese Erklärung allein greift zu kurz. In den kommenden Jahren, so steht es im aktuellen Sozialbericht, wird sich die Zahl armer Rentner erhöhen. Dies hat unter anderem mit dem sich ändernden Arbeitsmarkt zu tun. Der Niedriglohnsektor beschert nicht nur niedrige Rentenbezüge, sondern verhindert auch die Vorsorge fürs Alter. Wer jeden Cent umdrehen muss, hat kein Geld für einen Riester-Vertrag oder einen Fondssparplan. Hinzu kommt, dass der gegenwärtige Zuwachs von Arbeitsplätzen nicht im gleichen Maße Betriebsrenten hervorbringt, die jahrzehntelang ein Pfeiler der Alterssicherung waren. Diese Warnzeichen ernst zu nehmen ist ein Auftrag an die künftige Bundesregierung. Altersarmut ist keine Entwicklung, die überraschend kommt.

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