Die Koalitionsverhand­lungen sind in der heißen Phase. Kleine und große Kreise tagen, geheime Zirkel, Arbeitsgemeinschaften und Spitzengruppen. Einer aber fehlt: Der Generalsekretär der CDU. Eigentlich wäre er – qua Amt – eine der Schlüsselfiguren.

Peter Tauber aber ist krank. Wegen einer entzündlichen Darmerkrankung musste er sich im Januar operieren lassen. Nun ist er Angaben aus der Partei zufolge auf dem Weg der Besserung, Parteichefin Angela Merkel besuchte ihn am Krankenbett. Wann Tauber nach Berlin zurückkehrt, ist offen. „Ich hoffe, dass ich nach der Genesung wieder voll einsteigen kann“, sagte der 43-Jährige in einem Interview.

Was zu früheren Zeiten womöglich vertuscht worden wäre, machte Tauber selbst zum Thema, nicht nur im Interview, sondern auch auf Instagram und Facebook. Als er Ende November vorübergehend in die Klinik musste, postete er ein Foto seiner Infusionsflasche.

„Tauber ist vom Typus her jemand, der zum offenen Umgang mit seinem Gesundheitszustand geradezu verpflichtet ist“, sagt Politikwissenschaftler Stephan Bröchler. „Wer über seine Laufleistungen informiert, kann auch Krankheit nicht verschweigen“, fügt er in Anspielung auf Taubers sportliche Erfolgsmeldungen im Netz hinzu.

Andere Kultur in den USA

Tradition hat ein solcher Umgang nicht. „Erst allmählich löst sich auch die deutsche Öffentlichkeit von der Vorstellung, dass Krankheit gleich Schwäche ist“, dia­gnostiziert Bröchler. SPD-Parteichef Martin Schulz beispielsweise wollte sich seine schwere Erkältung auf dem Parteitag in Bonn eigentlich keinesfalls anmerken lassen. In den USA dagegen ist der Körper des Präsidenten quasi öffentliches Gut: Donald Trumps Gewicht von 108 Kilogramm und der Blutdruck von 122 zu 74 war erst Mitte Januar Thema aller Nachrichten.

In Deutschland undenkbar. Undenkbar ist hierzulande aber auch, „Krankheit als Waffe“ gegen den Betroffenen einzusetzen, wie Bröchler sagt. Tauber erfuhr bei seinen zwischenzeitlichen Auftritten in Berlin viel Unterstützung der Kollegen. Doch immunisiert gegen Angriffe ist er nicht. Thüringens CDU-Chef Mike Mohring wandte sich in seiner jüngsten Kritik auch gegen Taubers Amtsführung.