Gesundheit Patientensicherheit klein geschrieben

Berlin / Dieter Keller 17.08.2018

Dass ein Arzt Patienten verwechselt oder das falsche Bein amputiert, weil er rechts und links durcheinander bringt, ist selten geworden. Checklisten für Operationen sind ebenso längst Standard in Krankenhäusern wie die Aktion Saubere Hände für mehr Hygiene-Bewusstsein. Doch es gibt immer noch bis zu 800 000 vermeidbare medizinische Komplikationen pro Jahr einschließlich Todesfällen, beklagt der Kölner Gesundheitswissenschaftler Matthias Schrape.

Um das zu ändern, fordern das Aktionsbündnis Patientensicherheit und die Ersatzkassen eine Offensive im Gesundheitswesen. Patientensicherheit müsse von Anfang an in allen medizinischen Berufen gelernt werden, wünscht sich die Vorsitzende Hedwig François-­Kettner. Alle Kliniken, Arztpraxen und Pflegedienste müssten per Gesetz verpflichtet werden, einen Verantwortlichen für Patientensicherheit zu ernennen, und er müsse auf Führungsebene angesiedelt sein. Wenn neue Techniken eingeführt werden, passiere es zu selten, dass die Nutzung vorher trainiert werde.

Außerdem sieht sie weiteren Verbesserungsbedarf in der Hygiene. Jährlich erkrankten noch mehr als 400 000 Patienten an einer Krankenhausinfektion, davon 30 000 an multiresistenten Erregern, die mit den gängigen Antibiotika nicht zu behandeln sind. Ein Drittel davon sei auf Hygienemängel zurückzuführen und damit vermeidbar. Daher fordert das Bündnis eine verbindliche bundeseinheitliche Hygiene-­Richtlinie.

Die Patienten und ihre Angehörigen sollen als aktive Partner mit einbezogen werden. Das beginnt mit dem umfassenden Überblick über alle eingenommenen Medikamente und geht bis zu einer verständlichen Sprache sowie einer umfassenden Information und Aufklärung. Ob das klappt, dazu sollten die Patienten regelmäßig befragt werden.

Daneben fordert das Bündnis ein Implantateregister für Medizinprodukte mit hohem Risiko. In Schweden müssten nur noch halb so viele Hüftprothesen ausgetauscht werden, seit sie verpflichtend erfasst werden. Hierzulande gibt es nur ein freiwilliges Register für Hüft- und Knieprothesen, an dem sich 40 Prozent der Krankenhäuser nicht beteiligten.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft beklagte, die Krankenkassen stünden beim Bereitstellen von Mitteln für Sicherheitseinrichtungen auf der Bremse. Das lässt François-Kettner nicht gelten: Maßnahmen zur Patientensicherheit führten nach einer Studie zu Kosteneinsparungen von bis zu 15 Prozent.

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