Pakistan Pakistan: Ein Land im Ausnahmezustand

Imran Khan (Mitte) betet mit Anhängern. Er könnte trotz der Unruhen die Wahl gewinnen.
Imran Khan (Mitte) betet mit Anhängern. Er könnte trotz der Unruhen die Wahl gewinnen. © Foto: Banaras Khan/afp
Islamabad / Thomas Berger 17.07.2018

Turbulenzen gibt es vor der Wahl des zentralen Parlaments zur Genüge. Vergangenen Freitag traf der Anschlag auf eine Wahlversammlung die pakistanische Politik und Gesellschaft ins Mark. 130 Menschen starben, 200 wurden verletzt. Bekannt zu dem verheerenden Terrorakt haben sich der Islamische Staat (IS) sowie wie die pakistanischen Taliban. Zudem sitzen Ex-Premierminister Nawaz Sharif und seine Tochter Maryam im Gefängnis. Dies wirft einen langen Schatten auf eine Politikerkaste, die das Land mit seinen 106 Millionen Einwohnern fest im Griff halten.

Drei Mal war Sharif Regierungschef. Vollendet hat er keine Amtszeiten. Der Spross einer der reichsten Industriellenfamilien des Landes, ist in den Skandal um die „Panama Papers“ verstrickt. Im April 2017 hatten die Obersten Richter ihn abgesetzt. Unlängst wurde er zu zehn Jahren Haft verurteilt. Er habe die legale Herkunft von Geldmitteln zum Häuserkauf in London nicht nachweisen können. Tochter Maryam ist der Beihilfe zur Vertuschung schuldig. Sie muss für sieben Jahre hinter Gitter. Das Vater-Tochter-Duo hielt sich zuletzt in London auf – mit Billigung des Gerichts. Nun entschied es sich für die Rückkehr. Und wurde noch auf dem Flughafen in Lahpore verhaftet. „Ich tue es für Pakistan“, ließ Sharif seine Landsleute wissen.

Aber er und Maryam taten es auch für sich. Nur im Land können sie gegen das Urteil Berufung einlegen. Bevor dieser Prozess anläuft, ist nun eine Zelle ihr Quartier.

Für den Ex-Premier handelt es sich um eine Intrige. Gesponnen von seinen wichtigsten Gegnern, der Gerechtigkeitspartei (PTI) des Ex-Kricketstars Imran Khan, im unheiligen Bündnis mit den Spitzen von Armee und Geheimdienst. Dies zu glauben, fällt in Pakistan, wo die Streitkräfte wie der mächtige Geheimdienst ISI ein gefährliches Eigenleben führen, durchaus nicht schwer.

Nun darf sich Khan auf das politische Spitzenamt freuen: Nach Umfragen hat das Bündnis um seine PTI die besten Chancen, am 25. Juli eine Mehrheit zu holen.

Nicht wenige Pakistaner sehen Khan, der als integer gilt, als großen Hoffnungsträger, der das gebeutelte Land grundlegend umkrempeln würde. Die PTI verspricht einen effektiven Kampf gegen die Korruption, sichert zehn Millionen neue Jobs und den Bau von fünf Millionen Wohnungen zu. Auch im Bildungs- und Gesundheitswesen sind umfassende Reformen geplant.

Das Saubermann-Image Khans hat allerdings erhebliche Flecken bekommen. Getreue sind in Skandale verstrickt. Grund: Die PTI hat, um die Wahl zu gewinnen, einflussreiche Vertreter anderer Parteien abgeworben – oft ohne Rücksicht auf deren fragwürdige Reputation.

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