Studie Osteuropäer pflegen 200 000 Deutsche

Berlin / Hajo Zenker 08.08.2018

Die Beschäftigung osteuropäischer Hilfskräfte bei der häuslichen Pflege braucht nach Ansicht von Wissenschaftlern der Universitäten Cottbus und Breslau einheitliche Standards. Jeder zehnte Pflegehaushalt beschäftige eine osteuropäische Betreuungskraft „in einer Grauzone“, sagte der Cottbuser Rechtsprofessor Lothar Knopp am Dienstag in Berlin. Dies sei von der Politik jahrelang ignoriert worden, kritisierte der Chef des German-Polish Centre for Public Law and Environmental Network.

Zudem müsse die Finanzierung erleichtert werden, damit die Hilfe angesichts „der Preisspirale durch den Mindestlohn“ erschwinglich bleibe. Früher sei eine „24-Stunden-Kraft“ aus Polen für deutlich unter 2000.Euro im Monat zu bekommen gewesen, jetzt liege man bei 2500 Euro. Er hoffe, dass die von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geplante Finanzierung von reinen Betreuungsleistungen durch die Pflegekassen auch für Osteuropäer gelten werde. Das Ministerium verneinte das gestern allerdings.

In Deutschland waren laut Statistischem Bundesamt Ende 2015 2,86 Millionen Menschen pflegebedürftig. Fast drei Viertel davon wurden zu Hause gepflegt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass in 200 000 Haushalten Osteuropäer zum Einsatz kommen. Denn eine Betreuung rund um die Uhr würde bei einem deutschen Pflegedienst 15 000 bis 20 000 Euro kosten.

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