Löhne Arbeitnehmer im Land sind deutsche Spitzenverdiener

Das Gehalt von Arbeitnehmern unterscheidet sich bundesweit zum Teil drastisch.
Das Gehalt von Arbeitnehmern unterscheidet sich bundesweit zum Teil drastisch. © Foto: dpa
Berlin / Dieter Keller 03.08.2018
Im Westen verdienen die Arbeitnehmer immer noch deutlich besser als im Osten. In Baden-Württemberg sind sie besonders gut dran.

In Ingolstadt geht es Arbeitnehmern besonders gut: Mit 4635 Euro im Monat hatten Vollzeitbeschäftigte in der Audi-Stadt Ende 2017 im Schnitt die höchsten Bruttoverdienste bundesweit. Der sächsische Landkreis Görlitz war mit nur 2183 Euro Schlusslicht. „Es ist beschämend, dass Ostdeutschland flächendeckend von niedrigen Löhnen gekennzeichnet ist“, klagte die Linken-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann. Sie wertete die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit aus. Von gleichwertigen Lebensverhältnissen könne keine Rede sein.

Nach Bundesländern belegen die Arbeitnehmer in Baden-­Württemberg mit 3546 Euro den zweiten Platz hinter dem Stadtstaat Hamburg mit 3619 Euro. Bayern liegt auf Platz fünf. Alle ostdeutschen Länder stehen mit Abstand am Schluss, sieht man von Berlin ab, das fast den Bundesdurchschnitt erreicht.

Auch in der Rangliste nach Landkreisen steht der Südwesten gut da: Böblingen belegt mit 4596 Euro den vierten Platz nach Ingolstadt, Erlangen und Wolfsburg. Die Landeshauptstadt Stuttgart findet sich auf dem sechsten Platz.

Zimmermann forderte, den Mindestlohn auf zwölf Euro pro Stunde zu erhöhen und Leiharbeit zu begrenzen. Zudem müssten mehr Tarifverträge für allgemeinverbindlich erklärt werden, damit sie für alle Betriebe gelten.

Wirtschaftsforscher halten die Statistik der Einkommen pro Kopf für wenig aussagekräftig. Entscheidend sei die Kaufkraft, und für die spielen etwa die Miete oder die Preise für Lebensmittel eine entscheidende Rolle. Zudem sagten die Bruttoeinkommen weniger aus als die Nettoverdienste, sagte Hagen Lesch vom unternehmernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) der SÜDWEST PRESSE. Durch die unterschiedliche Steuerbelastung verteile der Staat um. Vom Mindestlohn habe gerade der Osten profitiert. Würden mehr Tarifverträge für allgemeinverbindlich erklärt, werde das ganze Tarifsystem auf den Kopf gestellt, das auf Freiwilligkeit beruhe.

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