Kirche Ohne Bitterkeit durch Krieg und Krisen

Der frühere Erzbischof  Robert Zollitsch wird 80.
Der frühere Erzbischof Robert Zollitsch wird 80. © Foto: Patrick Seeger/dpa
Freiburg / Elisabeth Zoll 08.08.2018

Der melodiöse Singsang weist auf seine Wurzeln als Donauschwabe. Die frühen Jahre im jugoslawischen Filipovo haben Robert Zollitsch, den ehemaligen Freiburger Erzbischof und zeitweiligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, aber nicht nur sprachlich geprägt. Als Sechsjähriger erlebte er, wie sein 16-jähriger Bruder 1944 von Angehörigen der Jugoslawischen Volksbefreiungsarmee ermordet wurde. Er selbst kam in ein Lager, ehe die Familie  1946 nach Deutschland fliehen konnte. 

Willkür und Gewalt haben Robert Zollitsch nicht bitter gemacht. „Ein Brückenbauer“ wolle er sein, sagte er zu seinem Anspruch.  Als Katholik im württembergischen Tauberbischofsheim knüpfte er Verbindungen zur evangelischen Kirche. Später, als langjähriger Personalreferent der Erzdiözese Freiburg, baute er Brücken nach innen – manchmal auch dorthin, wo radikale Brüche nötig gewesen wären. Priester, die sich an Kindern vergangen hatten, wurden zunächst auch im Erzbistum nur versetzt. Zollitsch hat Fehler eingeräumt. Das Thema sollte ihn als Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (2008 – 2014) intensiv begleiten. Als Anfang 2010 immer mehr Vergehen von Klerikern bekannt wurden, löste das einen gesellschaftlichen Tsunami aus, dessen Folgen heute noch spürbar sind. Zollitsch nennt diese Jahre die schwierigsten seines Lebens.

Der bedachtsame Kirchenmann, der auf den wortmächtigen Kardinal Karl Lehmann an der Spitze der Bischofskonferenz folgte, wurde mit der größten Krise der katholischen Kirche konfrontiert.  Er versprach Aufklärung und tat, was in seinen Kräften stand. So  kündigte er Entschädigungen an,  installierte mit dem Trierer Bischof Stephan Ackermann einen Missbrauchsbeauftragten und verschärfte kirchliche Leitlinien, auch vor der Absetzung des Augsburger Bischofs Walter Mixa schreckte er nicht zurück.

Oft genug wurde aber auch der weltoffen und liberal geltende Erzbischof selbst ausgebremst. So stieß sein Appell für mehr Rechte von wiederverheirateten Geschiedenen in der katholischen Kirche bei einem Teil seiner Amtsbrüder auf taube Ohren, ebenso der Vorstoß,  Laien stärker in die Seelsorge einzubinden. Er kann sich heute bestätigt fühlen. Auch Brückenbauer brauchen Geduld. Robert Zollitsch hat das gelernt.

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