Energie Öl-Kartell dämpft Preisauftrieb

Berlin / Von Dieter Keller 24.06.2018
Autofahrer können aufatmen: Die Opec will die Ölförderung steigern. Das soll den seit Monaten anhaltenden Anstieg der Spritpreise bremsen.

An Börsen werden Erwartungen gehandelt. Das ist beim Rohöl nicht anders als bei Aktien. In der vergangenen Woche sank der Preis für Rohöl – und parallel dazu wurde auch Benzin billiger, zumindest um einige Cent. Denn die internationalen Märkte hatten kalkuliert, dass das Kartell den Ölhahn wieder etwas weiter aufdreht. So kam es auch.

Was hat die Opec beschlossen? Am Tisch in Wien saßen nicht nur die 14 Mitgliedsstaaten der Organisation Erdölexportierender Länder (Opec), die für etwa 40 Prozent der weltweiten Förderung stehen. Dabei waren auch zehn weitere Länder, unter anderem Russland und Mexiko, die seit einiger Zeit mitreden. Daher wird schon vom Opec+-Bündnis gesprochen. Dieses will rund eine Million Barrel (159 Liter) zusätzlich auf den Markt bringen.

Warum ist der Ölpreis so stark gestiegen? 2011 und 2012 gab es eine Preisexplosion: Die Nordsee-Sorte Brent, die meist als Vergleichsmaßstab herangezogen wird, kostete über 110 Dollar je Barrel. Danach sorgte das große Angebot für einen gewaltigen Sturz. Anfang 2016 fiel der Preis kurzfristig auf 27 Dollar. Ein Jahr später einigte sich Opec+ darauf, die Förderung um 1,8 Millionen Barrel pro Tag zu senken, und zum allgemeinen Erstaunen hielten sich die Förderländer auch daran. Seither stieg der Preis mehr oder weniger kontinuierlich. Aktuell schwankt er um 75 Dollar. Dafür sorgte ein höherer Verbrauch, weil die Weltkonjunktur anzog. Zudem war das Angebot knapp, weil es Opec+ nie schaffte, die vereinbarten 32,5 Millionen Barrel am Tag zu fördern. Venezuela hat aufgrund seiner desolaten wirtschaftlichen Lage große Probleme. Zudem beunruhigte die internationalen Märkte, dass US-Präsident Donald Trump den Atomdeal mit dem Iran aufkündigte, was dessen Exporte gefährdet. Die neue Vereinbarung von Opec+ bedeutet, dass die 32,5 Millionen Barrel auf den Markt kommen sollen, indem Saudi-Arabien oder Russland ihre Förderung erhöhen.

Welchen Einfluss haben die USA? Durch den kräftigen Preisanstieg rechnet sich Fracking wieder. Dieses Verfahren, aus Schieferöl den begehrten Rohstoff zu fördern, ist zwar wegen der eingesetzten Chemikalien sehr umstritten, aber die USA setzen voll darauf. Die Internationale Energieagentur prognostiziert, die USA könnten 2018 mit elf Millionen Barrel pro Tag Saudi-Arabien als weltweit größtes Förderland überholen. Das lässt die Preise fallen. Zudem ist Präsident Trump aus nationalen Gründen an niedrigen Ölpreisen interessiert. Daher machte er in Saudi-Arabien Druck, die Förderung zu erhöhen.

Wie entwickeln sich Benzin- und Heizölpreise bei uns? Sie folgen dem Rohölpreis mehr oder weniger auf dem Fuße. Neben dem Dollarkurs wirkt sich die Nachfrage aus. Ist sie hoch, können die Ölkonzerne höhere Gewinnmargen durchsetzen. Die Abgabepreise der Raffinerien für einen Liter Benzin, Diesel und leichtes Heizöl ist weitgehend gleich. Sehr unterschiedlich ist die Belastung mit Mineralölsteuer: Bei Heizöl sind es nur 6,14 Cent pro Liter, bei Diesel gut 47 Cent, bei Benzin über 65 Cent. Daher wurde Heizöl relativ gesehen besonders kräftig teurer: Im Mai kostete es im Schnitt fast 68 Euro je 100 Liter, 39 Prozent mehr als vor zwei Jahren. Gleichzeitig stieg der Preis von Diesel um 18 Prozent, Benzin um 11 Prozent.

Welchen Einfluss hat das teure Öl auf die Inflation? Es heizt sie an. Die Energiepreise waren der Grund dafür, dass die Preissteigerung in Deutschland im Mai mit 2,2 Prozent erstmals seit mehr als einem Jahr wieder über zwei Prozent lag. Einen so hohen Anstieg hatte es zuletzt im Februar 2017 gegeben. Ohne Energiepreise hätte die Inflationsrate im Mai nur 1,8 Prozent betragen. Allein leichtes Heizöl war im Mai laut Statistischem Bundesamt 24 Prozent teurer als ein Jahr zuvor, Benzin und Diesel acht Prozent. Ein Stück weit wurde dadurch der große Preisverfall wieder korrigiert. Im Mai 2016 hatte die Inflation nur bei 0,1 Prozent gelegen, weil die Preise für Heizöl um 25 Prozent abstürzten und für Kraftstoffe um zwölf Prozent.

Wie geht es weiter? Wer das richtig vorhersagt, kann sich eine goldene Nase verdienen. Da die Ölhändler eine stärkere Erhöhung der Förderung erwartet hatten, stieg der Ölpreis am Freitag nach den ersten Entscheidungen auf 75,53 Dollar. Das waren 2,13 mehr als am Tag zuvor. Jetzt kommt es auf die weltweite Wirtschaftsentwicklung und die Förderung an. Experten rechnen nicht mit einer Entspannung.

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