Ecosia Öko-Suchmaschine will Hambacher Forst kaufen

Plakate hängen an Barrikaden im Hambacher Forst. Foto: Oliver Berg
Plakate hängen an Barrikaden im Hambacher Forst. Foto: Oliver Berg © Foto: Oliver Berg
Berlin / DPA 09.10.2018

Nach dem vorläufigen Rodungsstopp im Hambacher Forst wollen die Betreiber der Suchmaschine Ecosia dem Energiekonzern RWE den Wald abkaufen.

Ein Angebot über eine Million Euro für die verbliebenen 200 Hektar Wald habe das im Umweltschutz engagierte Unternehmen am frühen Dienstagmorgen per Fax an RWE geschickt, sagte Génica Schäfgen von Ecosia. Es liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Das Angebot sei gültig bis zum 31. Oktober, heißt es in dem Schreiben an RWE-Chef Rolf Martin Schmitz.

RWE will Förderung zurückfahren

Der Energiekonzern will nicht auf den Vorstoß eingehen. „Dieses Angebot kommentieren wir nicht und werden darauf auch nicht reagieren - das Angebot spricht für sich selbst“, sagte ein Unternehmenssprecher. RWE geht es nicht um den Wald, sondern um die Braunkohle, die darunter liegt.

RWE hat angekündigt, die Förderung zwar zurückzufahren, vorerst aber nicht komplett einzustellen. In einer ersten Bewertung gehe RWE von einer Reduzierung der Förderung um jeweils etwa 10 bis 15 Millionen Tonnen in den Jahren 2019 bis 2021 aus, sagte ein Unternehmenssprecher. Das wäre ein Rückgang um bis zu 38 Prozent. Pläne, den Tagebau komplett einzustellen, gebe es nicht, sagte der Sprecher. Zuvor hatte „Spiegel Online“ darüber berichtet. Bislang wurden im Tagebau Hambach 40 Millionen Tonnen Braunkohle im Jahr gefördert.

„Fairer Interessensausgleich“

RWE hatte einen Großteil des verbliebenen Waldes abholzen wollen, um Braunkohle zu baggern. Dagegen gab es viel Protest. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster hatte am vergangenen Freitag einen vorläufigen Rodungsstopp verfügt.

„Wir denken, dass so ein fairer Interessenausgleich zwischen RWE und der Bevölkerung gefunden werden kann, und verpflichten uns mit dem Kauf der Fläche, die ökologischen und gesellschaftlichen Interessen gemeinsam mit Organisationen zu verfolgen, die sich für den Schutz des Forsts eingesetzt haben und sich dem Naturschutz widmen“, schreibt Ecosia-Geschäftsführer Christian Kroll an Schmitz.

Die Suchmaschine hat nach eigenen Angaben acht Millionen Nutzer. Die Einnahmen von Anzeigenkunden verwendet das Unternehmen nach eigenen Angaben dafür, Bäume zu Pflanzen. Zudem würden Rücklagen gebildet, sagte Génica Schäfgen von Ecosia der dpa. Aus diesen Rücklagen wolle man den Hambacher Forst kaufen, wenn RWE zustimme.

Der Hambacher Forst in Nordrhein-Westfalen ist für viele zu einem Symbol für den Widerstand gegen die klimaschädliche Stromgewinnung aus Kohle geworden. Ecosia geht dem Angebot zufolge davon aus, dass die in RWE aufgegangene Rheinbraun in den 70er Jahren umgerechnet rund 500.000 Euro für den Wald gezahlt hat.

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