Kommentar Igor Steinle zu EU-Bürgern in der Bundeswehr Öffnung der Bundeswehr könnte sich lohnen

Igor Steinle
Igor Steinle © Foto: Marc Hörger
Berlin / Igor Steinle 23.07.2018

Seit Jahren stellt die Politik sich die Frage immer wieder aufs Neue: Soll die Bundeswehr EU-Ausländer in ihren Reihen zulassen? Immer wieder versiegt die Debatte jedoch in Uneinigkeit, ohne dass das ihr zugrunde liegende Problem gelöst würde: Eine steigende Anzahl an Bundeswehreinsätzen erfordert mehr Personal, das seit Abschaffung der Wehrpflicht nicht mehr zur Verfügung steht. Die Bundeswehr konkurriert wie jeder andere Arbeitgeber um das knappste Gut in diesem Land: qualifizierte Arbeitnehmer. Wieso sollten die aber zur Armee gehen, wenn sie anderswo genauso gut verdienen können, das aber ganz ohne Drill und Disziplin?

Die Wehrpflicht wurde aus gutem Grund abgeschafft. Man wollte der Wirtschaft junge Menschen, die dringend auf dem Arbeitsmarktmarkt benötigt werden, nicht zu lange vorenthalten. Denn egal ob in Industrie oder in der Pflege, überall mangelt es an Fachkräften. Inzwischen gibt es sogar zu wenig ungelernte Arbeiter für Gastronomie und Landwirtschaft. Somit gilt für die Bundeswehr dasselbe wie überall anders: Will man ihre Leistungsfähigkeit aufrechterhalten, benötigt man mehr Menschen. Dass Deutschland in einen militärischen Konflikt mit einem EU-Partner gerät, der zu einem Interessenkonflikt ausländischer Soldaten führt, kann zudem getrost ausgeschlossen werden.

Natürlich ist die Bereitschaft, für ein Land zu kämpfen und sich in Lebensgefahr zu begeben, immer etwas Besonderes. Manch einem mag dies leichter fallen, wenn es sich um „sein“ Land handelt. Doch wäre es nicht ganz im Sinne der europäischen Idee, wenn diese Definition weiter gefasst würde? Die Öffnung der Bundeswehr wäre dazu ein Beitrag.

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