NSU-Prozess NSU-Waffenbeschaffer Wohlleben ist frei

München / Andreas Förster 19.07.2018
Wohlleben, der Waffenbeschaffer des NSU-Mördertrios, ist frei. Das Urteil gegen ihn ist noch nicht rechtskräftig.

Plötzlich ging es doch ganz schnell. Nachdem nach der Urteilsverkündung im NSU-Prozess in den Medien bereits über eine mögliche Haftentlassung Ralf Wohllebens im August spekuliert worden war, konnte der 43-Jährige schon am Mittwochmorgen die Untersuchungshaftanstalt verlassen. Er ging nach Jena zurück.

Ikone der Thüringer Neonazibewegung

Es dürfte eine triumphale Heimkehr ins braune Reich seiner Gesinnungsfreunde werden, kommt mit Wohlleben doch eine Ikone der Thüringer Neonazibewegung frei, die längst auch bundesweit Märtyrerstatus in der Szene genießt. „Freiheit für Wolle“ war zu einem Slogan geworden, der auf keiner Rechten-Demo fehlte. Kameraden sammelten Geld für seine Familie, organisierten Konzerte und Demos für den Inhaftierten, verteilten Buttons mit der Aufschrift „Freiheit für Wolle“ und schalteten Glückwunschanzeigen zu seinem Geburtstag. Dass er auch in der Untersuchungshaft und im Prozess zu seiner nationalsozialistischen Einstellung stand, kam gut an in der Szene.

Wohlleben besorgte Pistole

Im Jahr 2000 hatte Wohlleben nach Überzeugung des Gerichts die Ceska-Pistole mit Schalldämpfer für die Zwickauer NSU-Zelle besorgt, die damit insgesamt neun Migranten erschoss. Die Darstellung des Angeklagten, er habe sich nicht vorstellen können, dass die drei untergetauchten Neonazis damit Menschen umbringen würden, wies das Gericht als unglaubhaft zurück.

Niedere Beweggründe

Wohlleben habe aus den Diskussionen in der Neonazi-Kameradschaft Jena gewusst, dass Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt bereit waren, zur Durchsetzung ihrer ideologischen Ziele Gewalt anzuwenden. Außerdem sei eine Schalldämpferwaffe, wie sie Wohlleben besorgt habe, aus Sicht des Gerichts eine Tötungswaffe. Er habe damit aus niederen Beweggründen gehandelt.

Keine Fluchtgefahr

Da das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, blieb Wohlleben – wie übrigens auch Beate Zschäpe – vorerst weiterhin in Untersuchungshaft. Die jetzt erfolgte Aufhebung des Haftbefehls begründete das Gericht damit, dass „nach aktuellem Verfahrensstand keine Gefahr mehr besteht, dass sich der Angeklagte dem Verfahren durch Flucht entziehen könnte“. Somit liege kein Haftgrund mehr vor. Wohlleben hat sechs Jahre und fast acht Monate in U-Haft gesessen, also mehr als zwei Drittel Strafe. Wäre das Urteil rechtskräftig, könnte er Antrag auf Aussetzung des Rests zur Bewährung stellen.

Wohlleben als Zentralfigur

Wohlleben war 1993, mit 18 Jahren, erstmals als Rechter in Erscheinung getreten. Später gründete er –  mit Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe – die Kameradschaft Jena und schloss sich dem „Thüringer Heimatschutz“ an. Die Bundesanwaltschaft sah in Wohlleben eine „steuernde Zentralfigur der gesamten Unterstützerszene“ des NSU.

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