Norwegen macht den Lachs zum Haustier

HANNES GAMILLSCHEG 28.03.2012
Zuchtfisch muss in Norwegen künftig schmerzfrei getötet werden. Lachs wird deshalb als Haustier eingestuft. Züchter sprechen von "Fischwohlfahrt".

Es mag schönere Tode geben, als durch einen Stromstoß oder einen Schlag auf den Kopf zu sterben. Doch immer noch besser, als qualvoll zu ersticken, zumindest wenn man Lachs ist. So denkt man in Norwegen, wo das neue Tierschutzgesetz ab Sommer auch für die Fischzucht Anwendung findet. Darin heißt es, dass Haustiere möglichst schmerz- und stressfrei geschlachtet werden müssen, und ab 1. Juli gilt auch der Lachs als Haustier.

Damit ist es vorbei mit der bisher gängigen Methode, den Fisch mit Kohlendioxid zu betäuben, ehe er geköpft und ausgeweidet wird. "Das CO2 peinigt den Lachs und führt zu einem extremen Stressniveau", sagt die Meeresbiologin Hanne Digre, die über das Thema "humane Tötung von Fisch" dissertiert hat. Strom und Schlag seien wesentlich geeigneter. Die Industrie entwickelt bereits Instrumente, die die neuen Tötungsmethoden maschinell erledigen soll.

Fische schreien nicht und haben keine Mimik, meint Björn Dahlen vom Landwirtschaftsamt. "Daher merken wir ihren Schmerz nicht so. Aber wir wissen, dass sie ihn fühlen." Unter Forschern herrsche breite Einigkeit über die Schmerzempfindlichkeit der Kaltblütler, sagt auch die Veterinärin Cecilie Mejdell. Die Industrie zeigt Verständnis. Fischzucht ist in Norwegen ein großes Geschäft, aber Berichte über den qualvollen Tod der Lachse könnten ihr gewaltigen Schaden zufügen. "Die Fischwohlfahrt spielt bei uns eine große Rolle, und viele Züchter haben die neuen Methoden schon eingeführt", sagt Henrik Stenwig, der Qualitätschef im Branchenverband.

So soll der Zuchtlachs künftig Rindern, Schweinen und Hühnern gleichgestellt sein, wenn es ums Ableben geht. Schließlich lebt er auch so. Statt durch Flüsse und Meere zu schwimmen, natürliche Lachsleitern hochzusteigen und zum Ort des Laichens zurückzukehren, schwimmt er mit Abertausenden Artgenossen in einem Netzgehege im Kreis. "Die Bedürfnisse des Lachses sind im Käfig ebenso unmöglich zu befriedigen wie die eines Huhns in der Legebatterie", sagt Anton Krag vom Tierschutzbund. Doch die neuen Tötungsmethoden hält er immerhin für einen Schritt in die richtige Richtung: "Dafür haben wir lange gekämpft und wurden ausgelacht und abgewiesen."