Philadelphia Nominierungsparteitages der US-Demokraten beginnt mit Panne

Debbie Wasserman Schultz, Parteivorsitzende der Demokraten, gibt ihr Amt ab – unfreiwillig.
Debbie Wasserman Schultz, Parteivorsitzende der Demokraten, gibt ihr Amt ab – unfreiwillig. © Foto: dpa
PETER DE THIER 26.07.2016
Der Parteitag der US-Demokraten wird von einem E-Mail-Skandal überschattet: Parteichefin Debbie Wasserman Schultz nimmt dafür den Hut.

Das Ziel der US-Demokraten ist klar: Sie wollen Einigkeit demonstrieren und somit einen Kontrast zur tief gespaltenen republikanischen Partei aufzeigen. Doch der Auftakt zu dem viertägigen Medienereignis in Philadelphia hätte kaum peinlicher ausfallen können. Wikileaks veröffentlichte am Freitag fast 20 000 E-Mails unter teilweise ranghohen demokratischen Funktionären.  Sie bestätigen einen Verdacht, den sowohl der Republikaner Donald Trump als auch Bernie Sanders, der frühere Hauptrivale der Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, geäußert hatten: Parteibosse wollten Sanders Kampagne und die Vorwahlen untergraben, um der früheren Außenministerin Clinton Vorteile im Rennen um die Präsidentschaft zu verschaffen. Dabei müsste sich die Parteiführung im Vorwahlkampf eigentlich neutral verhalten.

Postwendend äußerten Clintons Mitarbeiter den Verdacht, Moskau stecke hinter den in die Medien lancierten E-Mails. „Experten haben uns das gesagt. Es ist sehr beunruhigend, dass russische Hacker dahinterstecken, die Donald Trump zum Sieg verhelfen wollen“, sagte Robby Mook, der Wahlkampfmanager der früheren First Lady. Der Skandal hat bereits ein Bauernopfer gefordert. Parteivorsitzende Debbie Wasserman Schultz erklärte widerwillig, dass sie nach Beendigung des Nominierungsparteitags ihr Amt niederlegen werde.

Clinton selbst spielte den E-Mail Skandal herunter. Sie betonte, dass die Demokraten während der kommenden Tage demonstrieren würden, warum sie und ihr Vizepräsidentschaftskandidat Tim Kaine am besten qualifiziert sind, um neue Arbeitsplätze zu schaffen, das Wohlstandsgefälle abzubauen und den Kampf gegen internationalen Terrorismus fortzusetzen. Auch gelte es, Trump als unseriösen Manager zu enttarnen, der „unzähligen Geschäftspartnern geschadet hat.“ Dessen „boshafte Äußerungen über Einwanderer, die Tatsache, dass er einen Behinderten verspottet und Muslime beleidigt, verkörpert das Gegenteil dessen, wer wir als Nation sind“, sagte Clinton. Wählern müsse klargemacht werden, dass eine Präsidentschaft unter dem Demagogen gefährlich und riskant sei.

Jeder Tag des Parteikonvents wird unter einem anderen Arbeitstitel stehen, wobei Einheit, der Kampf für Frauen, Kinder und sozial Schwächere und schärfere Waffenkontrollen ebenso wie Außen-, Sicherheits- und Wirtschaftspolitik die Auftritte der Redner beherrschen werden. Während der Milliardär Trump vorrangig von Mitgliedern der eigenen Familie sowie zweitrangigen Vertretern der Unterhaltungsbranche und einer Hand voll weitgehend unbekannter Politiker gefeiert wurde, wird Hillary schweres Geschütz auffahren. Gestern standen ausgerechnet Bernie Sanders, dessen Auftritt im Lichte des Wikileak Skandals mit großer Spannung erwartet wurde, sowie First Lady Michelle Obama auf dem Programm. Im Verlaufe der Woche werden neben Ex-Präsident Bill Clinton, Vizepräsident Joe Biden und Präsident Barack Obama auch mehrere Eltern von Opfern unnötiger Waffengewalt, Rassendiskriminierung sowie gewaltsamer Polizeieinsätze zur Sprache kommen.