Washington Noch ein Milliardär will US-Präsident werden

Wird er Kandidat Nummer drei? Michael Bloomberg könnte bei der Präsidentschaftswahl Hillary Clinton Konkurrenz machen.
Wird er Kandidat Nummer drei? Michael Bloomberg könnte bei der Präsidentschaftswahl Hillary Clinton Konkurrenz machen. © Foto: dpa
PETER DE THIER 10.02.2016
Der New Yorker Milliardär Donald Trum hat's vorgemacht, jetzt will der New Yorker Milliardär Michael Bloomberg nachziehen. Der Unternehmer erwägt eine Kandidatur für das höchste Amt der USA.

Das Bewerberfeld im Rennen um die amerikanische Präsidentschaft könnte bald um einen aussichtsreichen Kandidaten wachsen. Michael Bloomberg, der ehemalige Bürgermeister von New York, erwägt ernsthaft, seinen Hut in den Ring zu werfen und als unabhängiger Kandidat anzutreten. Leiden würden darunter vor allem die Chancen der demokratischen Partei. In wichtigen Punkten decken sich nämlich seine Ansichten mit denen der Favoritin Hillary Clinton. Kein Wunder also, dass der republikanische Kandidat Donald Trump die Möglichkeit einer Bloomberg- Kandidatur ausdrücklich begrüßte.

Bereits im Januar hatte Bloomberg, der kommenden Sonntag seinen 74. Geburtstag feiern wird, mit einem Einstieg geliebäugelt. Nun aber wurde der Multimilliardär, der mit einem geschätzten Vermögen von 37 Milliarden Dollar zu den reichsten Erdenbürgern zählt, konkreter. Er halte das Niveau des politischen Diskurses unter den derzeitigen Kandidaten für "eine Beleidigung der Wähler, die Besseres verdienen", sagte er. Anstoß nimmt er an Trumps aggressiven, populistischen Parolen. Morgenluft wittert Bloomberg deswegen, weil der "demokratische Sozialist" Bernie Sanders der einst hohen Favoritin Hillary Clinton ein härteres Duell liefert als Experten erwartet hatten.

Sein Vermögen verdiente der gebürtige New Yorker an der Wall Street. Als er 1981 von der Investmentbank Salomon Brothers entlassen wurde, erhielt Bloomberg eine Abfindung von 10 Millionen Dollar. Das Geld nutzte er, um ein Unternehmen zu gründen, das Banken und Wertpapierhäuser mit Finanznachrichten versorgt. Die Firma, die später in Bloomberg L.P. umbenannt wurde, entwickelte sich zu einem Hit und ließ den aufstrebenden Unternehmer in den Klub der Multimilliardäre aufsteigen.

Zunächst ein Mitglied der demokratischen Partei wechselte Bloomberg 2001 zu den Republikanern, um sich für die Nachfolge Rudy Giulianis als Bürgermeister von New York bewerben zu können. Doch er profilierte sich als vorwiegend liberaler Politiker, dessen Positionen denen der Demokraten entsprechen. So machte sich Bloomberg, der zwei Mal wiedergewählt wurde und bis 2013 als Bürgermeister diente, für schärfere Waffenkontrollen stark, plädierte für die Legalisierung von gleichgeschlechtlichen Ehen und setzte sich für die Förderung alternativer Energien ein. Auch will er illegalen Einwanderern einen Weg zur Staatsbürgerschaft bereiten. Schlagzeilen machte der gesundheitsbewusste Bürgermeister mit seinem Versuch, den Verkauf überdimensional großer Cola-Getränke zu verbieten, der allerdings letzten Endes scheiterte. Mit den Republikanern hat Bloomberg gemeinsam, dass er für den Irakkrieg stimmte und sich als fiskalisch konservativ versteht. Als Bürgermeister hatte er mit Steuererhöhungen und Sparprogrammen die Staatsfinanzen wieder in die schwarzen Zahlen geführt.

Die Entscheidung, ob er sich ums höchste Amt im Lande bewerben will, muss Bloomberg bald treffen. Anfang März müsste er formal die Kandidatur beantragen, um sicherzustellen, dass sein Name in allen 50 US-Staaten auf dem Wahlzettel stehen wird. Dass ein unabhängiger Kandidat Einfluss auf den Wahlausgang haben kann, bewies 1992 der Texaner Ross Perot. Er verbuchte für sich fast 20 Prozent der Stimmen und galt als Katalysator des Wahlsiegs von Bill Clinton. Von der Rolle des Spielverderbers aber will Michael Bloomberg nichts wissen. Er glaubt ernsthaft, den Chefsessel im Weißen Haus erobern zu können.