Der SPD-Politiker Frank-Walter Steinmeier wird zwölfter Bundespräsident Deutschlands. Die Bundesversammlung wählte den 61-Jährigen am Sonntag in Berlin mit 931 von 1239 gültigen Stimmen zum Nachfolger von Joachim Gauck. Dieser hatte auf eine zweite Amtszeit verzichtet. Der frühere Außenminister Steinmeier, der der Kandidat von CDU/CSU und SPD war, kam damit auf eine Zustimmung von rund 75 Prozent.

Die Kandidaten der anderen Parteien blieben wie erwartet chancenlos. Die Linke hatte den Armutsforscher Christoph Butterwegge aufgestellt, die AfD ihren Bundes-Vize Albrecht Glaser und die Freien Wähler den Juristen Alexander Hold. Für die Piratenpartei trat Engelbert Sonneborn an, der Vater des Satirikers und Europaabgeordneten Martin Sonneborn.

Bundestagspräsident Norbert Lammert würdigte die Verdienste des am 18. März aus dem Amt scheidenden Gauck. „Das solidarische Miteinander der Bürgerinnen und Bürger lag Ihnen ganz besonders am Herzen“, sagte der CDU-Politiker. Zugleich nutzte Lammert die Rede für eine eindringliche Warnung an US-Präsident Donald Trump. Wer sich sprichwörtlich einmauere, dürfe sich nicht wundern, wenn es ihm andere gleichtäten.

Kommentar zur Bundespräsidentenwahl
Der Bundestagswahlkampf wirft seine Schatten schon voraus – mit der Kür des neuen Bundespräsidenten. Das Jahr verspricht spannend und turbulent zu werden, meint unser Berlin-Korrespondent Gunther Hartwig. Den ganzen Kommentar lesen Sie hier.

Die Wahl im Live-Ticker

Steinmeier dankt für Ermutigung auf dem Weg in Präsidentenamt
Der neu gewählte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich bei den Mitgliedern der Bundesversammlung für die Unterstützung bedankt. Die Zustimmung für ihn sei eine Ermutigung auf dem Weg ins höchste Staatsamt, sagte Steinmeier am Sonntag in einer Rede in der Bundesversammlung in Berlin.

Merkel, Seehofer und Schulz - „Groko“-Runde im Nebenraum
Erstes kurzes „Groko“-Spitzengespräch am Rande der Bundesversammlung mit dem Herausforderer: Die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel (CDU) und und CSU-Chef Horst Seehofer haben sich am Sonntag am Rande der Bundesversammlung mit SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz getroffen. Das Gespräch mit dem künftigen SPD-Chef fand in einem Nebenraum des Plenarsaals statt. Anschließend kamen Merkel, Seehofer und Schulz demonstrativ gemeinsam in den Saal zurück.

Kretschmann: Wollte nie Bundespräsident werden
Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ist nach eigenen Worten zufrieden damit, nicht Staatsoberhaupt Deutschlands zu sein. „Es war gar nie mein Wunsch, Bundespräsident zu werden“, sagte er am Sonntag am Rande der Bundesversammlung in Berlin im Gespräch mit der ARD.

Stimmabgabe in der Bundesversammlung beendet
In der Bundesversammlung ist die Stimmabgabe für den neuen Bundespräsidenten beendet worden (13:45 Uhr). Bundestagspräsident Norbert Lammert schloss am Sonntag die Wahl und unterbrach die Sitzung für die Auszählung, die etwa 30 bis 45 Minuten dauern soll. „Für einen kurzen Spaziergang um das Reichstagsgebäude wird es reichen, für einen Ausflug zur Berlinale eher nicht“, gab Lammert den Mitgliedern der Bundesversammlung noch mit auf den Weg.

Lammert warnt Trump in Bundesversammlung vor Abschottung
Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat den Auftakt der Bundesversammlung zu einer eindringlichen Warnung an den neuen US-Präsidenten Donald Trump genutzt. „Wer Abschottung anstelle von Weltoffenheit fordert und sich sprichwörtlich einmauert, wer statt auf Freihandel auf Protektionismus setzt und gegenüber der Zusammenarbeit der Staaten Isolationismus predigt“, und „Wir zuerst“ zum Programm erkläre, dürfe sich nicht wundern, wenn es ihm andere gleichtäten, sagte Lammert am Sonntag in Berlin.

Lammert mahnt in Bundesversammlung Wahlrechtsreform an
Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat seine Eröffnungsansprache in der Bundesversammlung zu einem Appell für eine Wahlrechtsreform genutzt. "Ich hoffe, dass auch die nächste Bundesversammlung noch im Reichstagsgebäude stattfinden kann", sagte Lammert am Sonntag in Berlin. Dazu müsse der Gesetzgeber das Wahlrecht so ändern, dass die Sitze im Bundestag und die damit korrespondierende Zahl an Wahlleuten "nicht in beliebige, unabsehbare Größenordnungen" steigen.

Der Bundestag hat eine Sollgröße von 598 Sitzen, kann sich allerdings durch Überhang- und Ausgleichsmandate vergrößern. Überhangmandate entstehen, wenn eine Partei in einem Bundesland mehr Direktmandate erringt, als ihr nach den Zweitstimmen zustehen. Die Überhangmandate werden wiederum durch zusätzliche Sitze für die anderen Parteien ausgeglichen.

Lammert würdigt Gauck
Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat den scheidenden Bundespräsidenten Joachim Gauck gewürdigt. „Das solidarische Miteinander der Bürgerinnen und Bürger lag Ihnen ganz besonders am Herzen“, sagte Lammert am Sonntag zur Eröffnung der Bundesversammlung in Berlin. Gauck habe die Gesellschaft auch immer wieder nachdrücklich in die Pflicht genommen, sich weder verängstigen noch spalten zu lassen, auch nicht in Zeiten terroristischer Gefahren. Die Bundesversammlung soll den Nachfolger Gaucks wählen.

Selfie-Alarm mit Musiker, Bundestrainer und Dragqueen
Vor der Wahl des Bundespräsidenten haben Bundestrainer Jogi Löw und Dragqueen Olivia Jones am Sonntag im Reichstag für Aufregung gesorgt. Die beiden von den Grünen nominierten Promis waren ein beliebtes Fotomotiv. Die Abgeordneten drängten sich auf der Fraktionsebene des Reichstags in Scharen um sie.
Auch Musiker Peter Maffay wurde viel fotografiert und herzlich begrüßt.

Ehefrau Büdenbender wird laut Medienberichten Richteramt ruhen lassen
Der wahrscheinliche neue Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat seiner Frau Elke Büdenbender dafür gedankt, dass sie als First Lady ihre eigene berufliche Karriere zurückstellt. Die Rolle des Präsidenten-Ehepaares sei "sehr traditionell angelegt", sagte Steinmeier am Samstagabend bei einem SPD-Empfang in Berlin. "Einer wird gewählt, und von dem anderen wird erwartet, dass er vieles aufgibt. Ich bin dir dankbar, dass du in diese neue Rolle nun mit hineingehst."

Mitglieder der Bundesversammlung kommen zu Morgenandacht zusammen
Wenige Stunden vor der Wahl des neuen Bundespräsidenten in Berlin sind Politiker aus allen Parteien zu einer ökumenischen Morgenandacht zusammengekommen. Zu den Teilnehmern des Gottesdienstes in der St.-Hedwigs-Kathedrale am Sonntagmorgen gehörten der scheidende Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie mehrere ihrer Kabinettsmitglieder und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz.
Auch der Favorit auf die Nachfolge Gaucks, Ex-Außenminister Frank-Walter Steinmeier, kam in die Kirche. Der SPD-Politiker, gegen den vier weitere Bewerber antreten, wird auch von der FDP unterstützt und kann mit vielen Stimmen der Grünen rechnen.
Zu dem nicht öffentlichen Gottesdienst hatten der Leiter des Kommissariats der katholischen deutschen Bischöfe in Berlin, Karl Jüsten, und der Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Martin Dutzmann, geladen. Anschließend waren letzte Beratungen der Fraktionen der Bundesversammlung geplant.

Merkel wirbt für Steinmeier
Am Samstagabend hatten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und CSU-Chef Horst Seehofer in den eigenen Reihen um Unterstützung für Steinmeier geworben. Er sei „nicht irgendein Sozialdemokrat“, sondern der Sozialdemokrat, dem sie zutraue, dass er Deutschland gut vertrete, sagte Merkel nach Teilnehmerangaben in einer Sitzung der Unionsfraktion. Seehofer rief ebenfalls dazu auf, Steinmeier zu wählen. Auch mit Blick auf die Landtagswahlen komme es auf Geschlossenheit der Union an.

Die Wahl des Bundespräsidenten
Im Video erklären wir, wie die Wahl abläuft.

Was sind die Aufgaben des Staatsoberhauptes?
Im Video erklären wir, was ein Bundespräsident macht.

Abschied von Joachim Gauck
Anfangs fiel es Joachim Gauck schwer, sich an sein Amt als Staatsoberhaupt zu gewöhnen. Doch am Ende geht er schweren Herzens und auf dem Höhepunkt seines Ansehens.
Lesen Sie hier ein Rückblick auf die Amtszeit des ehemaligen Bundespräsidenten: www.swp.de/gauck.

Die beiden Amtssitze
Der Bundespräsident hat zwei Amtssitze: Das Schloss Bellevue in Berlin und die Villa Hammerschmidt in Bonn. Hier stellen wir sie vor.

Protokollchef im Schloss Bellevue
„Protokoll ist, wenn’s funktioniert“, wissen Kenner. Wir wagen einen Blick hinter die Kulissen von Schloss Bellevue, dem Sitz des Bundespräsidenten und schauen hier Jost Fohmann auf die Finger. Er ist verantwortlich dafür, dass die Regeln und Rituale im Schloss Bellevue eingehalten werden. Der Protokollchef ist damit wichtiger Akteur am Präsidentensitz. Auffallen darf er aber nicht.

Stimmenverhältnisse in der Bundesversammlung


Die Wahl des gemeinsamen Kandidaten von Union und SPD gilt als sicher. Die Regierungskoalition verfügt über weit mehr als die in den ersten beiden Wahlgängen nötigen 631 Stimmen. Insgesamt hat die Bundesversammlung 1260 Mitglieder, jeweils zur Hälfte Bundestagsabgeordnete und Delegierte der Länder.

Nach derzeitigem Stand entfallen auf die Union 539 Wahlleute, die SPD entsendet 384. Der drittgrößte Block sind die Grünen mit 147 Delegierten von Bundestag und Ländern, gefolgt von den Linken mit 95. Die nicht im Bundestag vertretene FDP kommt auf 36 nur von den Ländern entsandte Wahlleute, die AfD auf 35, die Piraten auf 11, die Freien Wähler aus Bayern auf 10.

Nur jeweils einen Vertreter haben der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) und die Brandenburger Vereinigte Bürgerbewegung/Freie Wähler (BVB/FW). Die im Januar 2017 aus der CDU ausgetretene Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach nimmt als Fraktionslose an der Wahl teil.

Veränderungen der Stimmenverhältnisse sind bis zum Wahltag möglich, etwa durch den Tod eines mit einem Überhangmandat ausgestatteten Delegierten. Auch Austritte und Wechsel aus einer Partei wirken sich aus.