Iran Neue US-Sanktionen treten in Kraft

Unter Druck: die iranische Währung.
Unter Druck: die iranische Währung. © Foto: afp/Atta Kenare
Teheran / Martin Gehlen 07.08.2018

Der aufgebrachte Fernfahrer kann nicht mehr an sich halten. „Wenn ihr kein Geld mehr habt und unser Land in Schwierigkeiten steckt, warum schickt ihr dann soviel Bares nach Syrien, Palästina und zur Hisbollah“, gestikuliert er mit einer Zigarette in der Hand, während sich hinter ihm bis zum Horizont Busse und Lastwagen aneinander reihen, die seit zehn Tagen bestreikt werden. „Wir haben die Revolution nicht gemacht, um dann in solcher Armut zu leben“, schimpft der Mann. Zu hunderten kursieren dieser Tage Videoclips im Internet, auf denen sich aufgebrachte Iraner Luft verschaffen über Preisanstieg und Währungsverfall, Arbeitslosigkeit und Wassermangel, staatliches Missmanagement und Korruption, über Machtmissbrauch des Regimes und dessen kostspielige außenpolitische Abenteuer.

In allen größeren Städten gingen in den vergangenen Tagen Demonstranten auf die Straßen, auch wenn ihre Zahl bisher kleiner ist als bei den Unruhen zu Jahresbeginn. Die Bürger sind die leeren Versprechen satt. Sie fürchten, dass ihr Leben durch die neuen amerikanischen Sanktionen noch mühsamer wird als bisher. Die heimische Währung ist faktisch zusammengebrochen. Jason Rezaian, der Mitte 2014 in Teheran festgenommene und später ausgetauschte Iran-Korrespondent der „Washington Post“, beschrieb dieser Tage aus eigener Erfahrung noch einmal eindringlich die Folgen, die die neuen internationalen Sanktionen haben könnten. Alireza Nader, langjähriger Iran-Experte der amerikanischen Rand Corporation, sieht Anzeichen für ein generelles Aufbegehren gegen das politische System.

Außenminister Mohammad Javad Zarif räumte bereits ein, der Nation stünden schwierige Zeiten bevor, auch wenn die USA, Saudi-Arabien und Israel in ihrer Feindschaft zu Iran weltweit isoliert seien. Und so bekräftigte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini erneut, die EU bedaure die Sanktionen zutiefst, und versprach, europäische Firmen bei ihren Geschäften zu schützen und die Finanzkanäle offen zu halten. Auch wolle die EU weiterhin iranisches Öl und Gas importieren.

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