Diesmal ging es nicht um den Nachweis von Schulwissen. Die am Dienstag präsentierte Pisa-Sonderauswertung des Pisa-Schulvergleichstests aus dem Jahr 2012 dreht sich allein darum, wie 15-Jährige mit Alltagsproblemen umgehen. Gefordert war dafür kreatives "Um-die-Ecke-Denken". Auf einer schematischen Landkarte mit genau definierten Wegezeiten mussten die Jugendlichen etwa für drei Freunde aus verschiedenen Orten einen Treffpunkt ermitteln, den jeder der Beteiligten nach maximal 15 Minuten erreicht. Oder sie sollten an einem Ticketautomaten Fahrkarten kaufen - für unterschiedliche Verkehrsmittel, zum günstigsten Tarif und für mehrere Fahrten.

Das Ergebnis der in den Staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) durchgeführten Studie zeigt: Jeder fünfte 15-Jährige in Deutschland ist mit dem Lösen von Alltagsproblemen überfordert. Nur leicht besser als der Durchschnitt schneiden die deutschen Teenager im Vergleich zu den anderen Teilnehmern ab. Im Ranking mit 44 Plätzen landen die Deutschen je nach Aufgabe auf den Rängen 12 bis 21. Die Spitzenreiter unter den OECD-Staaten kommen einmal mehr aus dem fernen Osten. Singapur nimmt Platz eins ein. Beste Europäer sind die Finnen auf Platz zehn.

Die weltweit 85.000 Schüler - in Deutschland waren es 1350 - mussten für die Alltagsprobleme am Computer Lösungen finden. Dabei wurde klar: Schülerinnen und Schüler, die in Mathematik, Lesekompetenz und Naturwissenschaften gut sind, sind es auch beim Problemlösen. Die Deutschen blieben allerdings hinter den Erwartungen zurück, die nach den Ergebnissen des Vorjahres in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften möglich schienen. Dies gilt laut OECD vor allem für das schwächste Drittel: Von diesen erreichen fast 20 Prozent nicht einmal das Basisniveau. In Japan und Korea sind dies weniger als sieben Prozent. Zu den leistungsstärksten Problemlösern gehören in Deutschland rund 13 Prozent der 15-Jährigen. In Japan und Korea sind dies deutlich mehr als 20 Prozent.

Dabei schneiden Schüler besser als Schülerinnen ab. In der Spitzengruppe sind in Deutschland zu 60 Prozent Jungen und nur zu 40 Prozent Mädchen vertreten. Die Ergebnisse zeigen weiter, dass beim kreativen Problemlösen soziale Herkunft und ökonomischer Hintergrund weniger prägend sind als bei den sonstigen Pisa-Schulleistungen. Gleichwohl sehen die OECD-Experten auch hier einen Zusammenhang. Denn Kinder aus ärmeren Familien haben "oft keinen Zugang zu den besten Schulen und Lehrern", sagte der Hauptautor der Studie, Francesco Avvisati. Dies wirke sich dann nicht nur bei den Leistungen in Mathematik, sondern auch beim Lösen differenzierter Probleme aus. Dies gilt hierzulande auch für 15-Jährige mit Migrationshintergrund. Die Testergebnisse belegen nach Ansicht Avvisatis für das deutsche Schulsystem, dass für schwächere Schüler mehr Gewicht auf selbstständiges Lernen gelegt werden sollte. Nur so würden auch sie befähigt, "unvertraute Situationen" zu bewältigen.

Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger, äußerte sich skeptisch zu den Ergebnissen der Studie. "Problemlösungskompetenz ist wichtig", sagte Meidinger. Ob allerdings die Tests der Pisa-Studie dazu im Kern etwas beitragen würden, sei fraglich. "Die Testsituationen hatten mit Wissen zu tun, das man sich im Alltag erwirbt und nicht in der Schule", sagte Meidinger. Kritik übte er vor allem an dem Beispiel, dass die Schüler in der Prüfungssituation zeigen mussten, ob sie Klimaanlagen bedienen können. In den USA oder in China gebe es solche Anlagen in fast jedem Haushalt und die Schüler wüssten, wie man sie bedient, sagte Meidinger. In Deutschland seien solche Geräte eher die Ausnahme.

Kommentar: Ratlos im Alltag

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