Der Verdächtige im Fall des massiven Datenklaus bei Politikern und Prominenten ist nach einem Geständnis wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Er habe die Vorwürfe umfassend eingeräumt, teilten die Ermittler am Dienstag in Wiesbaden mit. Er sei am Sonntag vorläufig festgenommen, mangels Haftgründen aber am Montag wieder freigelassen worden.

Bundesweit seien 994 Personen von dem Hacker-Angriff betroffen - 123 Menschen aus Baden-Württemberg. Vor allem sind es Politiker, aber auch Prominente und Journalisten. Etwa 50 Fälle seien schwerwiegender, weil größere Datenpakete wie Privatdaten, Fotos und Korrespondenz veröffentlicht worden seien, hieß es.

Innenminister Horst Seehofer will sich am frühen Dienstagnachmittag vor der Presse äußern. „Nur mit belastbaren Fakten und nicht mit Vermutungen“, wie er betonte.

Neben ihm auf dem Podium sollen der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, und der Chef des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Arne Schönbohm, sitzen.

Seehofer hatte sich am Montag von Münch und Schönbohm auf den aktuellen Stand der Ermittlungen bringen lassen. Das BSI habe schon im vergangenen Jahr von fünf Fällen gewusst - ohne einen Zusammenhang zu erkennen.

Verdacht nach Russland gelenkt?

Nach einem Bericht des Redaktionsnetzwerkes Deutschland (RND/Dienstag) bekamen Opfer der Online-Attacken in den vergangenen Tagen Anrufe mit Nummern aus Russland. Die Anrufer blieben aber anonym. Sicherheitskreise zweifelten, ob die Anrufe von den Urhebern des Angriffs kamen und nicht möglicherweise von Trittbrettfahrern, um einen Verdacht auf russische Nachrichtendienste zu lenken, meldet der RND.

Konsequenz Betroffener

Der vom Datenklau besonders betroffene Grünen-Parteichef Robert Habeck hatte am Montag angekündigt, sich als Konsequenz aus dem Ärger um Wahlkampf-Tweets und den Datendiebstahl von Twitter und Facebook zu verabschieden.

Der Soziale-Medien-Forscher Wolfgang Schweiger sieht darin eine Zäsur für die Politik im Internet. „Zum ersten Mal gibt ein Politiker zu, dass das Tempo, die Direktheit und Spontaneität in den sozialen Medien für ihn persönlich gefährlich sind“, sagte der Professor für Kommunikationswissenschaft der „Augsburger Allgemeinen“.

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