Kommentar Stefan Kegel zur Identifizierung von Islamisten Neue Gefährderzahl: Ein bisschen Alarmismus

Stefan Kegel
Stefan Kegel © Foto: Thomas Koehler/photothek.net
Berlin / Stefan Kegel 20.08.2018

Ein Drittel mehr potenzielle islamistische Terroristen als vor einem Jahr – das klingt dramatisch. Mit der Bekanntgabe der neuen Zahl schlägt Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen zwei Fliegen mit einer Klappe: Er beweist, dass er die Szene auf dem Schirm hat – und verbucht das als eigenen Erfolg.

Zur Einordnung muss man wissen: Es haben sich binnen Jahresfrist nicht plötzlich so viel mehr Muslime radikalisiert. Die deutlich höhere Zahl der gefährlichen Personen geht vor allem auf bessere Aufklärung zurück. Die gewaltbereiten Islamisten waren immer da. Man kannte nur nicht alle, oder schätzte sie falsch ein. Diese offene Flanke ermöglichte dem Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri seine Schreckenstat. Die Sicherheitsbehörden haben daraus offenkundig gelernt und rücken nun mit neuen Auswertungsmethoden potenziellen Terroristen auf den Pelz.

Zugleich kann Maaßen damit einen persönlichen Erfolg vorweisen, den er dringend braucht. Denn wegen geheim gehaltener Treffen mit führenden AfD-Politikern ist er derzeit politisch heftig unter Beschuss. Da kann ein bisschen Alarmismus nicht schaden.

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