Verteidigung Nato verstärkt Abschreckung gegenüber Moskau

Start für zwei neue Kommandozentralen: Nato-Generalsekretär  Jens Stoltenberg in Brüssel.
Start für zwei neue Kommandozentralen: Nato-Generalsekretär  Jens Stoltenberg in Brüssel. © Foto: afp/John Thys
Brüssel / Christian Kerl 15.02.2018

Im sächsischen Bautzen war die Fahrt für die US-Panzer erstmal zu Ende. Eine Polizei­streife stoppte den Truppentransport vor wenigen Wochen an der Autobahnraststätte der A 4, weil eine Transportgenehmigung fehlte und die Fracht auf den Sattelschleppern angeblich zu breit war. Erst nach Tagen durften die Panzerhaubitzen der US-Armee in die Oberpfalz verlegt werden – dort war die Gefechtsübung schon in vollem Gang.

Die Panne ist für Nato-Militärs nicht ungewöhnlich: Tagelange Kontrollen, bürokratische Hürden, zeitraubende Zolldokumentationen an jeder Landesgrenze innerhalb Europas gelten schon länger als Bremsschuh für eine glaubwürdige Abschreckung. Sorgen bereiten den Militärs aber auch die Mängel an den Transportwegen: Brücken und Schienenwege sind vor allem in Osteuropa mitunter nicht für schweres Militärgerät ausgelegt,  es fehlt an speziellen Eisenbahn-Waggons. Schlechte Infrastruktur, zu wenig Übung beim Truppentransport: Was in Friedenszeiten ärgerlich ist, könnte im Ernstfall gefährlich werden.

Jetzt will die Nato Konsequenzen ziehen und mit massivem Aufwand dafür sorgen, dass im Krisenfall die Verlegung auch von großen Truppenverbänden an die Nato-Ostgrenze funktioniert. Die Verteidigungsminister des Bündnisses berieten dazu bei ihrem Treffen am Mittwoch in Brüssel über den Aufbau von zwei neuen Kommandozentren: Ein Einsatzunterstützungskommando in Europa mit Sitz in Deutschland soll auf dem Kontinent schnellere Truppen- und Materialtransporte ermöglichen und für deren Sicherheit sorgen. Das Kommando mit mehreren hundert Soldaten wird von Deutschland als Rahmennation aufgebaut, gab Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Brüssel bekannt. In Militärkreisen heißt es, als Standorte im Gespräch seien Köln/Bonn mit seinem Streitkräfteamt  und Ulm, wo schon ein multinationales Kommando für Kriseneinsätze zuhause ist.

Ein zweites Kommandozentrum in den USA soll den Seeweg von Amerika nach Europa besser sichern – für Truppentransporte ebenso wie für die Kommunikationsverbindung. Die Nato-Spitze ist besorgt, weil Russland massiv in seine U-Boot-Flotte investiert hat und zunehmend im Nordatlantik präsent ist, auffallend oft in der Nähe wichtiger Datenkabel.

Mit den neuen Vorhaben sendet die Nato ein weiteres Abschreckungssignal an Russland. Präsident Wladimir Putin hat zuletzt bei einem Großmanöver in Weißrussland demonstriert, wie blitzschnell er  Truppen verlegen kann – jetzt will auch die Nato schneller werden, um gegen mögliche Überraschungsangriffe etwa auf das Baltikum gewappnet zu sein. Russland indes warnt bereits vor einer neuen Aufrüstung der Nato.