Berlin Nach Weinprobe aus dem Tritt

Berlin / DIETER KELLER 18.06.2013
FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle muss nach seinem Hand- und Beinbruch Wahlkampf mit Krücken machen. Er gibt sich frohgemut.

Nur gut, dass Rainer Brüderle nicht auf den Mund gefallen ist. Auch seine rechte Schreibhand sei unverletzt, gab der FDP-Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl zu Protokoll. Am Freitagabend, gut eine Woche vor seinem 68. Geburtstag, hatte er sich den linken Arm und den Oberschenkel gebrochen. Trotzdem sei er sehr kampfesmutig, meinte gestern sein Wahlkampfmanager Olaf Bentlage.

Der folgenschwere Fehltritt ereignete sich nach dem Besuch einer Freilichtaufführung. In Nackenheim südlich von Mainz, dem Geburtsort von Carl Zuckmayer, hatte er sich wie jedes Jahr mit Freunden dessen Mundart-Theaterstück "Der fröhliche Weinberg" angesehen, eine Vorstellung im Garten eines Weinguts, bei der eine Weinprobe im Kartenpreis inbegriffen ist. Danach fuhr die Gesellschaft zum Essen in ein Landhotel. Nach einer guten Stunde, beim Verlassen des Lokals, kam es zum Sturz: Er wurde angesprochen, übersah deshalb eine Stufe und kam aus dem Tritt. Es sei manchmal schwierig, geradeaus zu gehen und gleichzeitig links und rechts Leute zu grüßen, meinte er hinterher.

In der Mainzer Uniklinik wurden Brüche an Arm und Bein diagnostiziert, und er wurde am Sonntag operiert. Einige Tage muss er im Krankenhaus bleiben. Das hindert ihn aber nicht, gleich wieder Interviews zu geben. Er sei Opfer seiner eigenen Dynamik geworden, sagte er der "Rheinischen Post". "Jetzt habe ich ein paar Tage Ruhepause. Aber telefonieren kann man auch mit gebrochenem Bein, wie Sie merken."

Da bewährt sich der Kampfeswille der im südpfälzischen Landau aufgewachsenen Frohnatur. Zumindest Termine, bei denen er nicht viel gehen und stehen muss, will Brüderle möglichst rasch wieder angehen, wenn auch wohl zunächst auf Krücken. Noch ist es aber für genauere Planungen zu früh.

Die von Brüderle herbeigesehnte Spitzenkandidatur steht insgesamt unter einem schlechten Stern. Nach den Sexismus-Vorwürfen einer Journalistin haben seine Auftritte viel an Unbekümmertheit verloren. Als Gesicht der Liberalen im Wahlkampf konnte er bisher die schlechten Umfrageergebnisse nicht drehen: Die FDP dümpelt weiter bei vier Prozent herum.